Der zweite Teil der Hobbit-Trilogie steht auf der Matte und hat über zweieinhalb Stunden Fantasy-Abenteuer im Gepäck. Ob das allerdings die gespaltene Zuschauerschar wieder einen wird? Für viele war Teil eins über weite Strecken ein unnötig in die Länge gezogener Akt der Langeweile und wenig mitreißend, für andere war es das Highlight des Jahres. Mit „Smaugs Einöde“ hat es Regisseur Peter Jackson glücklicherweise geschafft, die Kurve zu kriegen – und zwar mit mehr Spannung, Fantasy-Action und Mittelerde-Charme. Ob das schlussendlich reicht, um Fans und Kritiker zu überzeugen?

Darum geht’s:

Thorin Eichenschild (Richard Armitage) befindet sich mit seiner Zwergentruppe nebst Zauberer Gandalf (Ian McKellen) und Bilbo Beutlin (Martin Freeman) immer noch auf der Reise. Und ihrem Ziel, der ehemaligen Heimat der Zwerge, dem Berg Erebor, sind sie nicht mehr fern. Auch haben sie schon Pläne geschmiedet, Erebor einzunehmen, schließlich warten unermessliche Schätze im Inneren des Berges. Über all dem wacht jedoch der kolossale Drache Smaug. Ein Wächter, den man erst einmal ausschalten muss. Immer noch verfolgt vom boshaften Orkkönig Azog (Manu Bennett), muss die Gruppe zuvor den berüchtigten Düsterwald mit ihren gefräßigen Riesenspinnen durchqueren. Und dann gibt es ja noch die Waldelben, die alles andere als erfreut sind über ihre zwergischen Gäste. Was natürlich auf Gegenseitigkeit beruht – und der Truppe einen Besuch im Elbenkerker einbringt. War es das nun mit der Mission Erebor?

Das ist gut:

„Smaugs Einöde“ hat all das, was dem ersten Teil fehlte. Nämlich eine kräftige Fantasy-Action-Gangart, die man aus den „Herr der Ringe“-Filmen kennt. Im zweiten Teil kommt man wesentlich mehr auf den Punkt und man schweift nicht in belanglose, zum Einschlafen langatmige Lagerfeuer-Romanzen ab. Es wird ernster, düsterer und actionreicher, wodurch der gesamte Streifen wesentlich mehr atmosphärische Dichte erhält. Auch dass Bilbo nun endlich zu einem mutigen, ernstzunehmenden Hobbit-Helden mutiert, tut der ganzen Geschichte gut und macht aus ihm eine echte Identifikationsfigur! Nicht zu vergessen das finale Aufeinandertreffen mit dem Drachen Smaug – ein fesselnd inszenierter Showdown mit einem wahrhaft mörderischen Cliffhänger auf „Der Hobbit: Hin und zurück“!

Das ist schlecht:

Wenn man dem zweiten Teil etwas vorwerfen kann, dann ist es die Tatsache, dass für den Erfolg des Blockbusters auf den literarischen Aspekt der Kinderbuchvorlage wenig Rücksicht genommen wird. Jackson fummelt an der zugrunde liegenden Geschichte nämlich an allen Ecken und Kanten herum. Wenn das jemandem ein Dorn im Auge ist, wird er mit dieser Trilogie seine Probleme haben. Was zudem etwas trübt, ist die mangelnde Dynamik der Reisetruppe um Zauberer, Hobbit und Zwerge.

„Der Hobbit: Smaugs Einöde“ ist im Vergleich zum ersten Teil der Trilogie eine echte Wohltat. Hier wurde an allen Stellen geschraubt und geschliffen, sodass man ein ganz anderes Filmerlebnis geboten bekommt. Jackson hat dem Mittelteil nicht nur mehr Herz und Charme verliehen, sondern dem Ganzen auch das „Herr der Ringe“-Gen eingeimpft. So entstand ein sattes, atemberaubendes Fantasy-Epos, das den Weg zurück in die Spur gefunden hat. Ein düsteres Fantasy-Action-Abenteuer und eines der letzten Kino-Highlights im sich dem Ende neigenden Jahr 2014!