Werte Leser – ein Tipp vorweg. Wer sich in „Conjuring – Die Heimsuchung“ wagt, sollte sich vorher eine Überdosis Baldrian intravenös spritzen und einen Defibrillator an seiner Seite haben. Mit diesem Film hat „Saw“-Schlächter James Wan (Insidious) einen Titel in die Kinos gebracht, der für Herzrhythmusstörungen sorgen wird.

Es wartet Oldschool-Grusel in Bestform. Mit einem Minimaleinsatz von Blut und ohne Schocks mit der Brechstange. Damit führt Regisseur Wan die erprobt-neue Welle der klassisch verfilmten Spukhaus-Geschichten fort, ganz im Stile und in der Machart der 60er, 70er und 80er. Warum „Conjuring“ so gut und so unheimlich ist, dass man von der Angst übermannt wird, verraten wir euch in den kommenden Zeilen.

Darum geht’s:

1952 wurde die Gesellschaft The New England Society for Psychic Research in den USA von Ed und Lorraine Warren gegründet. Beides führende Dämonologen und Psi-Wissenschaftler in Amerika. Ihr Ziel war es, paranormalen Ereignissen nachzugehen und Spukhäuser von ihren Dämonen und Geistern zu befreien. Deren reale Fälle riefen etliche Filmemacher auf den Plan, Filme wie „The Haunted“, „The Haunting in Connecticut“ und „The Amityville Horror“ auf Grundlage ihrer Forschungen zu verfilmen. Auch „Conjuring – Die Heimsuchung“ basiert auf einem existenten Fall der Warrens.

Es ist 1971: Mutter (Lili Taylor) und Vater (Ron Livingston) Perron beschließen, mit ihren Kindern in ein Farmhaus zu ziehen. Das abgelegene Gebäude in Neuengland bietet ihnen aber nicht das erträumte idyllische Eigenheim. Denn eine finstere Macht wohnt als Untermieter in dem Haus und macht der Familie mit zunehmender Dauer klar, wer Herr im Hause und wer unerwünscht ist. Erste gruselige Phänomene ufern mit der Zeit zu blankem dämonischen Poltergeist-Horror aus. In ihrer Not wendet sich Familie Perron an die Spukwissenschaftler Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga). Doch dieses furchterregende Etwas auf dem Anwesen ist an Grässlichkeit nicht zu überbieten, weshalb auch die Experten an ihre Grenzen stoßen ...

Das ist gut:

Eigentlich würde es den Rahmen sprengen, all das Positive an diesem Streifen aufzuzählen, weshalb wir uns nur mit dem Wesentlichen befassen. Ein Großteil der modernen Haunted-House-Titel ist oftmals ausgelutscht, überzogen, unkreativ und besitzt aufgrund von Logiklücken meist eine unfreiwillige Komik. „Conjuring“ ist das genaue Gegenteil von all dem: Der Film bedient sich klassischer Grusel- und Schockmittel und bringt zum Beispiel mit dem Familienversteckspiel „Hide and Clap“ eine neue gruselige Variante.

Sehr überzeugend ist die ebenso pathetische wie triste Farbpalette, mit der eine tolle Grundstimmung im Stile der 70er erzeugt wird. Hinzu kommen das brillante Sound-Design und die exquisite Kamera, die mit krassen Winkeln überrascht. Außerdem passen alle Figuren zum Setting, ohne auch nur ansatzweise lächerlich oder unglaubwürdig zu wirken. „Conjuring“ schafft es einfach, einen total durch die Mangel zu drehen, mit einfachen aber derbe effektiven Mitteln.

Das ist schlecht:

Wenn man hier überhaupt etwas als schlecht bezeichnen kann, dann wohl nur diese eine Sache: Dass der Film die anfängliche Ruhe und den quälenden Grusel gegen Ende in einen blanken Akt des gespenstisch polternden Terrors verwandelt. Aber ist das wirklich so schlimm?

„Conjuring – Die Heimsuchung“ ist ein brillantes Werk im Gruselgenre geworden, das absolut bedrohlich, beängstigend und schockierend ist. Natürlich nur für Menschen, die noch zu schätzen wissen, wie echter Grusel-Horror auszusehen hat und die nicht bereits vom ganzen lauten Folter- und Metzel-Einerlei abgestumpft sind. Bereits zum Ende des Trailers kann man sehen, wie grenzgenial dieses „Hide and Clap“ etliche gespenstische Momente im Film hervorruft, die einem die gefühlte Antarktis den Rücken herunter schicken. Dazu das Sounddesign, das dem kompletten Film mit seinen Jump Scares noch eine Portion mehr Angst und Schrecken spendiert. Nicht zu vergessen die ausgezeichnet eingesetzte Kamera mit all ihren Winkeln und Fahrten. Wahnsinn! So bleibt uns nur dieses Loblied: Haunted-House-Horror, der in einem Atemzug mit Giganten des Genres wie „The Shining“, „Poltergeist“ oder „Der Exorzist“ genannt werden darf – und muss! Ein echtes Meisterwerk, das jedes Herz belastet und den Zuschauer auf eigene Weise unglaublich effektiv aus dem Kinosessel jagt!

Kinostart: 01.08.2013 | Publisher: Warner Bros. Pictures | Foto: (C) 2013 Warner Bros. Entertainment Inc.