Regisseur Carl Erik Rinsch schwang bis dato ausschließlich für Kurzfilme das Zepter. Mit dem Fantasy-Abenteuer „47 Ronin“ gibt er sein Spielfilmdebüt und das direkt mit einem Hollywood-Star im Cast. Doch ob Keanu Reeves und Co. aus einem guten Plot auch ein gewaltiges Hollywood-Epos erschaffen können? Der vorangegangen Trailer und auch die vielen Szenenbilder versprechen zumindest einiges. Doch wir kennen ja alle das Problem mit Trailern, die im Vorfeld bereits das ganze Pulver des Films verschießen. Ereilt dieses Schicksal auch diesen Streifen mit seiner Mixtur aus Martial Arts, Fantasy und Action?

Darum geht’s:

Als ihr Fürst heimtückisch ermordet wird, bleibt 47 entehrten Ronin (herrenlose Samurai) nur die Verbannung – deshalb wollen sie Rache. Der Krieger Oishi (Hiroyuki Sanada) und seine Gefährten sind dabei auf die Unterstützung des Halbbluts Kai (Keanu Reeves) angewiesen, müssen ihn aber zunächst aus der Sklaverei befreien. Kai wurde einst vom Fürsten aufgenommen und erzogen und liebt seit langem die Tochter seines Herren. Obwohl die Ronin das Halbblut ihre Abneigung spüren lassen, schließt Kai sich ihrer Gruppe an und steigt schließlich sogar zum Anführer auf. Gemeinsam versuchen sie, die Festung des Feindes zu stürmen und die Ehre ihres Fürsten wieder herzustellen. Doch auf dem Weg dorthin müssen sie sich gegen ihre Feinde, zu denen nicht nur Fabelwesen und eine verführerische Hexe zählen, behaupten.

Das ist gut:

„47 Ronin“ überzeugt mit seiner Optik. Insbesondere mit den riesigen Sets, an denen Carl Erik Rinsch die Originalschauplätze Japans hat nachstellen lassen, wofür ganz sicher die meiste Kohle des 200-Millionen-Films draufgegangen sein dürfte. Die teils düsteren Computereffekte passen ganz gut dazu, auch weil sie dem Ganzen noch einen Touch mehr Stimmung verleihen. Dennoch sind sie nicht die erhofften Megaeffekte, die einen in den Kinosessel nageln. Was darüber hinaus gefällt, ist, dass hier versucht wurde, nah an der japanischen Kultur zu bleiben. Diese Treue geht allerdings zulasten des Tempos und der Emotionalität.

Das ist schlecht:

Auf dem Papier gibt die Originalgeschichte so viel her und auch der Trailer versprach viel. Am Ende aber versinkt der Streifen in Oberflächlichkeit. Es ist schlichtweg das Versäumnis, dem Film eine Seele, Tiefgang und einen roten Faden zu geben. Alles wirkt nur kurz angerissen und so stolpert man von einer Handlung und Szene in die nächste. Hinzu kommt, dass man fast zu keinem der Charaktere eine Beziehung aufbauen kann. Was nicht mal an den Schauspielleistungen von Keanu Reeves, Hiroyuki Sanada oder Tadanobu Asano liegt, sondern schlichtweg an fehlender Zeit und Raum, die man den Charakteren hätte geben müssen. Ein Sinnbild dafür ist das ganzkörpertätowierte Extrem-Model Rick Genest (Zombie-Boy), der uns auf den Plakaten prunkvoll entgegenblickt. Im Film selbst ist er dann gerade einmal in einer Szene zu sehen, wo er mit einem mickrigen Sätzchen in Erscheinung tritt.

Es ist wirklich kein Wunder, dass „47 Ronin“ mit dieser luftigen Umsetzung und dem ganzen Gehype im Vorfeld an den US-Kinokassen wie eine Bleiente unterging. Mit Blick auf das verbrauchte Budget wird dieses Action-Abenteuer wohl zu den größten Flops in den Hollywood-Annalen dazustoßen. Und das ist so schade, wurde ein Megapotenzial einfach aus dem Fenster geworfen. Die Story bietet doch so viel mehr, als das, was final inszeniert wurde. Da helfen einfach keine schönen Aufnahmen und eine düstere Optik. Es ist letzten Endes diese erschreckende Oberflächlichkeit in fast allen Bereichen des Films, die so dermaßen verärgern. Es ist definitiv nicht das drin, was propagiert wird und das ist mehr als bedauerlich. „47 Ronin“ – ein Film ohne Gesicht und mit Klingen so stumpf wie ein zehn Jahre altes Brotmesser!