007-Regisseur Cary Fukunaga: „Bond von früher im Grunde Vergewaltiger“ – Die Fans von James Bond 007 fiebern schon seit langer Zeit der Veröffentlichung des neuesten Agenteneinsatzes „Keine Zeit zu sterben“ entgegen. Doch immer wieder wurde die neueste Bond-Mission aufgrund der Corona-Pandemie verschoben. Zudem machten Gerüchte im Netz die Runde, wonach Bond durch eine Frau ersetzt werden könnte – hitzige Debatten folgten. Regisseur Cary Fukunaga hat eine kritische Meinung zu dem Charakter.

Präziser: Zu der Version, die Sean Connery spielte. In einem Gespräch mit dem US-Magazin „The Hollywood Reporter“ äußerte Fukunaga, Connerys Figur sei „im Grunde ein Vergewaltiger“. Laut einem Artikel des „Spiegel“ bezieht sich Fukunaga auf eine Szene aus „Feuerball“ von 1965. Darin trifft James Bond auf eine Krankenschwester und küsst diese, obwohl sie seine Flirts zuvor zurückwies.

Der Nötiger Bond?

Später ist es ebenfalls Bond, der der Frau den Vorschlag macht, gewisse Dinge zu verschweigen, die ihre berufliche Zukunft gefährden würden – allerdings nur, wenn sie dafür mit ihm ins Bett steigen würde. Wörtlich im Film: „Ich nehme an, mein Schweigen könnte einen Preis haben“, so Bond. Die Krankenschwester, während sie sich abkehrt: „Du meinst nicht … oh nein.“ Bond: „Oh ja.“
 
Mit diesen Worten schubst Bond die Frau in eine Sauna – und auf diese Szene bezieht sich Fukunagas Aussage in dem Magazin. Der Regisseur wörtlich: „Ist es ‘Thunderball’ oder ‘Goldfinger’, wo Sean Connerys Charakter im Grunde eine Frau vergewaltigt? Sie sagt ‘Nein, nein, nein’ und er sagt ‘Ja, ja, ja’. Das ginge heute nicht mehr.“

Feministische Autorin

Wie ernst dem neuen Bond-Team für „Keine Zeit zu sterben“ ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist, sollen demnach neue, starke Frauenfiguren zeigen: Man holte sich als Co-Autorin der weiblichen Dialoge für die Reihe und auf Wunsch von Hauptdarsteller Daniel Craig die Feministin Phoebe Waller-Bridge ins Boot. In der Handlung des Streifens wird Bond bereits in Rente sein – und dann für eine neue Mission reaktiviert.

Ihm zur Seite steht eine kämpfende und aktive Frauenfigur, gespielt von Lashana Lynch, die in Bonds Abwesenheit die Tötungslizenz 007 tragen wird – und gegen Ende auch erben soll, wie man munkelt. Man darf gespannt sein, was langjährige Bond-Fans am Ende von Fukunagas Aussagen, den Debatten um Daniel Craigs letzten Einsatz inklusive intersektionalem Feminismus und eine mögliche weibliche Bond-Zukunft an den Kinokassen halten.

Quelle: spiegel.de