Man kann die Sache schönfärben, wie man will: Übergewicht ist und bleibt gesundheitsschädlich. Und bevor nun alle wohlbepfundeten Menschen auf die Barrikaden keuchen – auch hier in unsere Redaktion können die meisten Mitarbeiter nicht tauchen. Und nein, ein Speckring ist kein Todesurteil. Dennoch begünstigt ein zu hoher Anteil an Körperfett erwiesenermaßen Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkschäden. Britische Forscher wollten nun wissen, ob Übergewicht auch unser Gehirn in Mitleidenschaft zieht, und sind zu überraschenden Ergebnissen gelangt.

Das Forscherteam um den Sportmediziner Mark Hamer von der Loughborough-Universität konzentrierte sich dabei auf die Wechselwirkung von Übergewicht mit der so genannten „grauen Substanz“ im Hirn. Diese „Substantia grisea" stellt eine wichtige Komponente unseres Zentralnervensystems dar und setzt sich hauptsächlich aus Nervenzellkörpern zusammen.

Und siehe da: Ihrem Bericht in der Online-Ausgabe des Fachmagazins „Neurology“ zufolge, kann bei Menschen mit starken Übergewicht, vor allem wenn diese viel Fett in der Körpermitte ansammeln, das Hirn in bestimmten Bereichen tatsächlich geschrumpft sein. „Die Forschung hat eine Schrumpfung des Hirns mit einem Verfall des Gedächtnisses und einem erhöhten Risiko für Demenz in Verbindung gebracht“, so Hamer in einem Statement.

Apfel oder Birne?

Dieser Erkenntnis ging die Auswertung der Daten von 9.652 Probanden im Durchschnittsalter von 55 Jahren voraus, von denen 19 Prozent laut Body-Mass-Index (das Verhältnis von Körpergewicht zur Körpergröße) als adipös galten. Da der BMI jedoch seit einiger Zeit als nicht zuverlässig gilt (immerhin spielen auch Muskelmasse und Knochendichte beim Gewicht eine Rolle), flossen auch der Körperfettanteil und der Taille-Hüfte-Quotient (THQ) in die Beurteilung mit ein.

Zur Orientierung: Frauen gelten ab einem THQ von 0,8 und darunter als gesund, Männer ab 0,9 abwärts. Zudem lässt sich an dem Wert ablesen, ob man ein Apfeltyp ist – Leute, bei denen sich das Körperfett vor allem um die Taille herum versammelt – oder ein Birnentyp, bei dem sich das meiste um Hüfte, Po und Oberschenkel herum abspielt. Äpfel haben dabei ein deutlich höheres Risiko für Bluthochdruck, Diabetes sowie Herz- und Kreislauferkrankungen.

Nimmt man nun noch weitere für das Hirnvolumen relevante Faktoren wie das Alter, körperliche Aktivität, Rauchen und Bluthochdruck hinzu, und misst bei jedem Teilnehmer per Magnetresonanztomographie die Gehirnvolumina für die Graue Substanz, hat man am Ende folgendes Ergebnis: Menschen, die sowohl einen hohen BMI als auch einen hohen THQ haben, verfügen über ein geringeres Volumen an Grauer Substanz als diejenigen mit einem normalen THQ.

Ei oder Huhn?

Oder genauer: Während die 3.025 Probanden mit Normalgewicht ein durchschnittliches Volumen von 798 Kubikzentimetern an grauer Masse für sich verbuchen konnten, kamen die 514 Teilnehmer mit hohem BMI und normalem THQ mit 793 Kubikzentimetern noch vergleichsweise glimpflich davon. Die 1.291 Teilnehmer, deren BMI ebenso zu hoch war wie deren THQ, brachten es nämlich gerade mal auf durchschnittlich 786 Kubikzentimeter.

Die Frage, ob nun das Übergewicht diese Veränderung auslöst, oder ob es sich genau umgekehrt verhält, blieb bislang jedoch leider ungeklärt. Oder um es mit den Worten von Mark Hamer zu sagen:

„Obwohl unsere Studie herausgefunden hat, dass Fettleibigkeit, vor allem in der Körpermitte, mit einem geringeren Volumen an grauer Substanz im Gehirn zusammenhängt, bleibt unklar, ob Anomalien in der Hirnstruktur zu Fettleibigkeit führen, oder ob Fettleibigkeit diese Veränderungen im Hirn bewirkt.“

Quelle: gmx.net