Zu viel Zucker macht nachweislich krank und zieht eine ganze Welle an Folgekrankheiten nach sich. Ärzte warnen seit Jahren, doch vergleichsweise ohne Konsequenzen. Nun fordern Deutschlands Mediziner mit Nachdruck die Einführung einer Zuckersteuer auf Süßgetränke. Die Folgen wären weitreichend.

Colaautomaten und Schokoriegel-Verkäufe in Schulen würden wahrscheinlich ebenso verschwinden wie Quengelware oder kinder-orientierte Werbung für übersüßte Produkte. Ein Verbund von Krankenkassen, Fachorganisationen und mehr als 2000 Ärzten – unter ihnen der bekannte TV-Mediziner und Kabarettist Eckart von Hirschhausen – ist überzeugt, dass dies die positiven Konsequenzen einer Sonderabgabe wären.

In einem offenen Brief appellierte das Bündnis an die Bundesregierung, für verbindliche Vorgaben zu sorgen, neben der Steuer etwa Werbeverbote, Standards für Schul- und Kitaverpflegung sowie verständlichere Kennzeichnungen auf Packungen. So wolle man auch bildungsferne Schichten erreichen, Aufklärung sei nicht genug. Bisher hatte die Regierung eher auf Aufklärungsprogramme und freiwillige Vereinbarungen mit der Branche gebaut.

Folgekrankheiten teils unheilbar

Die Industrie wehrt sich, hält eine Zuckersteuer für „Symbolpolitik“ – Übergewicht hätte viel mit dem Lebensstil und vielen Faktoren zu tun, nicht nur mit Zuckergehalt. Laut dem offenen Brief gelten in Deutschland 15 Prozent der Kinder und 60 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig, darum fordern die Unterzeichner des Briefes „Ernst zu machen bei der Prävention von Adipositas, Typ-2-Diabetes und anderen chronischen Krankheiten“.

Auch erinnerte das Bündnis daran, dass Länder wie Finnland, Mexiko, Belgien, Großbritannien oder Frankreich bereits erfolgreich Zuckersteuern eingeführt hätten, inklusive vieler positiver Konsequenzen. Das Bündnis bezeichnete Deutschland „in Sachen Prävention“ als „Entwicklungsland“. Gegen Folgeerkrankungen helfe weder eine Tablette noch eine OP, betont Dr. von Hirschhausen.

Lebensmittelhersteller sehen keinen Handlungsbedarf

Vorbeugung durch Bildung und staatliche Lenkung würden eher Erfolg versprechen, wie der Mediziner betonte. Er bezeichnete Deutschlands Umgang mit dem Thema als „Eiertanz“, der letztendlich einen ähnlichen Verlauf nehmen würde wie das Rauchverbot in Kneipen und Restaurants. Die Industrie sieht hingegen weiterhin keinen Handlungsbedarf, sieht sich als verantwortungsbewusst und „dialogbereit“.

Man benötige „keine Belehrungen von Interessengruppen“, da man seit Jahren handle, so der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL. Das Bündnis konterte trocken: „Wir sind der Überzeugung, dass man nicht die Frösche fragen kann, wenn man den Sumpf trockenlegen will“, so BVKJ-Präsident Fischbach.

Quelle: tagesschau.de