Hopfen, Malz, Hefe und Wasser – mehr gehört doch nicht ins Bier. Das zumindest sollte man denken, wenn man sich das deutsche Reinheitsgebot so ansieht. Doch tatsächlich wurde dieses um etliche Ausnahmeregelungen ergänzt. Das Verbrauchermagazin „Markt“ hat aufgelistet, welche Substanzen noch Einzug in den Brauprozess finden. Darunter etwa auch Kunststoffe.

Nahezu sämtliche Großbrauereien geben nämlich Plastik in ihr Bier. Das Kunststoffgranulat Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP) etwa, welches für die Klarheit des Gerstensafts über Monate hinweg sorgt – und damit dafür, dass man das Bier bis zu eineinhalb Jahre verkaufen kann. Nicht PVPP-versetzte Biere trüben hingegen nach einigen Monaten ein. PVPP gilt nach derzeitigem Kenntnisstand nicht als gesundheitsschädlich – der Kunststoff wird bis auf einige unvermeidbare Rückstände aus dem Bier entfernt und muss deshalb nicht auf dem Produkt gekennzeichnet werden. Der Deutsche Brauer-Bund betont, dass diese Entfernung zuverlässig erfolge und der Verbraucher nichts von dem Stoff in sich aufnehme.

Bier-Sommeliers wie Matthias Kopp vermuten anderes. Auch in Sachen Hopfen weicht die Wirklichkeit von den Vorstellungen des Verbrauchers ab: Denn die meisten Brauereien greifen bei der Herstellung auf Hopfenpellets zurück, geschredderte und gepresste Hopfendolden. Für flüssiges Hopfenextrakt greifen die Unternehmen dabei zumeist auf den Hopfen zurück, der bei der Pellet-Produktion übrigbleibe, so Kopp. Auch in Sachen Farbe wird bei der Bierherstellung getrickst, etwa mit so genanntem „Färbebier“, einem Röstmalzgemisch. Ein Bier-Konzentrat aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe, das dem „richtigen“ Bier zugegeben wird. Auch dieses muss nicht auf dem Etikett deklariert werden. Prost.

Quelle: NDR