Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat kürzlich eine weitere Form von Suchtkrankheiten bestätigt und offiziell in ihren stetig wachsenden Katalog aufgenommen. Anlass dazu gaben die deutlichen Symptome eines Deutschen, dem nun, da dessen Sucht aus ärztlicher Sicht anerkannt wurde, sicherlich bald weitere Opfer eben jener Erkrankung folgen werden. Dabei handelt es sich um einen Redakteur aus dem norddeutschen Raum. Sein Leiden: Er ist süchtig nach Salami!

Kein Tag, an dem C. aus B. nicht an einer würzigen Fleischstange kaut. Auch als wir ihn anlässlich eines Interviews besuchten, konnte er offensichtlich nicht an sich halten. Sein Atem roch nach Salzwurst, die Finger der zur Begrüßung ausgestreckten Hand fühlten sich fettig an. „Es begann, als ich noch ein Kind war“, eröffnet uns C. und tunkt dabei gedankenverloren eine eng zusammengerollte Scheibe Aufschnitt in ein Glas Senf, das zu diesem Zweck stets auf seinem Wohnzimmertisch bereitzustehen scheint.

„Immer wenn meine Eltern mich mit in den Supermarkt nahmen, bot mir die nette Dame an der Fleischtheke eine Scheibe Salami an. Ich war ein äußerst hübsches Kind, müssen Sie wissen, und meine Eltern dazu noch sehr auf Höflichkeit bedacht. Wie hätte ich da also Nein sagen können.“

Von der organisierten Fleischindustrie systematisch angefixt, wurde die Salami bald zum festen Lebensinhalt von C. aus B., der damals noch in A. lebte. Doch der Dealer seines Vertrauens streckte nur allzu bald selber die Hand aus. Der kindlichen Unschuld entrissen sah sich C. gezwungen, Geld zu beschaffen, und verlor sich daraufhin im Moloch von Schule und Ausbildung. Viel kam dabei jedoch nicht rum, so dass sich C. die ersten Jahre seines noch jungen Berufslebens mit gepanschter Billigware aus dem Kühlregal begnügen musste, was deutliche Spuren an seinem Köper hinterließ.

„Heutzutage geht es mir wieder besser“,

beteuert C., doch sein Blick gleitet abermals ab. „Und das auch ganz ohne die Ersatzdrogen, die von den ganzen Veganern da draußen dieser Tage so propagiert werden. Am Ende macht die Menge das Gift und es auch viel aus, WIE man sich seinen Stoff reinpfeift, verstehen Sie?!“

Auf unsere Nachfrage, wie genau dies gemeint sei, bittet uns C. in seine Küche, wo er von einem Video auf seinem Tablet angeleitet beginnt, ein ganz besonderes Salamibrot zuzubereiten.

Alles was Sie dazu brauchen“, erklärt C., der in der Küche förmlich aufzublühen scheint, „ist etwas Pizzateig, den Sie auf einer Lage Mehl ausrollen. Belegen Sie den Lappen mit der Salami Ihrer Wahl, verteilen Sie etwas Tomatensoße darüber und bestreuen das Ganze dann mit Käse und würzigen, am besten frisch gehackten Kräutern. Bestreichen Sie die überstehenden Teigränder mit etwas Wasser und beginnen das Brot, wie im Video demonstriert, zu rollen.

Legen Sie die so entstandene Wurst“, an dieser Stelle muss C. etwas kichern, „auf ein Backblech und bestäuben Sie sie mit etwas Mehl, während Sie den Teig abgedeckt noch so 60 bis 90 Minuten gehen lassen. Ist die Wartezeit überstanden, heizen Sie den Ofen schon mal auf 200 Grad vor und bestreichen Sie den werdenden Brotlaib mit Öl. Dann schneiden Sie den Teig etwas ein, wie es der Knabe im Video vormacht, und streuen abschließend noch eine Lage Käse drauf. Für 25 bis 30 Minuten in den Ofen damit, und fertig ist Ihr Pizza-Salami-Brot.

Und was sollen wir sagen? Nachdem wir probiert haben, können wir C. mit vollem Mund nur anerkennend zunicken und verstehen seine Leidenschaft für Salami etwas besser als zuvor. Wir müssen lachen, als C. uns mit den Worten „Beim nächsten Mal kostet’s aber was“ verabschiedet.