Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren? Eine neue Studie aus Großbritannien weist nach: Bereits wenige Schlucke können weitreichende Folgen für das menschliche Gehirn haben. Dabei gilt doch als gesichert, dass moderater Alkoholkonsum für Erwachsene keine weitreichenden Konsequenzen hat, oder? Mitnichten, denn was „moderater Alkoholkonsum“ ist, wird je nach Land anders definiert: In den USA etwa gelten 28 Gramm Alkohol pro Tag für einen erwachsenen Mann als unbedenklich bzw. als „risikoarme Schwellendosis“.

Hierzulande sind es hingegen nur 24 Gramm, was etwa einem halben Liter Bier oder 300 Milliliter Wein entspricht. Frauen dürfen jeweils nur mit der Hälfte dieser Mengen „arbeiten“. In Großbritannien wurden entsprechende Richtlinien vor kurzem neu formuliert, hier wird beiden Geschlechtern nahegelegt, sich nur noch maximal 16 Gramm Alkohol am Tag zuzuführen, wenn überhaupt. Das entspricht dem Äquivalent von 200 Millilitern Wein. Die neue Studie legt nahe, dass selbst diese geringen Werte noch zu viel sind: Bereits geringe Mengen Alkohol sollen dem Gehirn schaden.

Nur Abstinenzler bleiben verschont

Zu diesem Schluss kommen die Experten der Universität von Oxford nach mehreren Untersuchungen mit 550 gesunden Teilnehmern beiderlei Geschlechts im Durchschnittsalter von 43. Zu den Tests gehörten auch Analysen der kognitiven Leistungsfähigkeit, des Gedächtnisses. Keiner der Probanden war alkoholabhängig, alle mussten jedoch zu Protokoll geben, wie viel sie pro Woche tranken. Die Studie kam zu dem Schluss, dass jene Teilnehmer, die mehr als 240 Gramm Alkohol pro Woche zu sich nehmen einem stark erhöhten Risiko unterliegen, Nervenzellen im sogenannten Hippocampus zu verlieren.

In dieser Hirnregion werden unter anderem Gedächtnisleistungen, Gefühle und räumliche Wahrnehmung gesteuert. Auch das Sprachzentrum der Probanden war negativ beeinflusst. Doch selbst Teilnehmer, die weniger Alkohol zwischen 116 und 168 Gramm pro Woche zu sich nahmen, also in die Gruppe der „moderaten Trinker“ fallen, zeigten Anzeichen für Auswirkungen auf ihren Hippocampus. Selbst Teilnehmer, die lediglich 56 Gramm oder weniger Alkohol pro Woche tranken, profitierten nicht von den geringen Mengen – lediglich echte Abstinenzler blieben von dem Zellabbau verschont.

Hieraus folgern die Wissenschaftler, dass selbst die Beschränkung auf sehr geringe Mengen keinen Schutz bietet, betonen jedoch zugleich, dass ihre Studie keine Beobachtungsuntersuchung sei und demnach noch kein kausaler Zusammenhang bewiesen wurde. Dem Neuropsychiater Killian Welch zufolge werde durch die Studie gestützt, dass ein von vielen als moderat oder gesellschaftlich akzeptabel angesehener Alkoholgenuss sehr wohl negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben könne. Selbst moderater Alkoholkonsum sei ihm zufolge dadurch deutlich schwieriger zu rechtfertigen.

Quelle: spiegel.de