Sie wird als revolutionäres Instrument zur sexuellen Selbstbestimmung der Frau gehandelt – die „Pinke Viagra“ Addyi soll für mehr weibliche Orgasmen sorgen. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden und Belgien mit knapp 6000 Frauen offenbart nicht nur, dass dieser Anspruch nicht erreicht wurde. Die luststeigernde Pille und ihr Wirkstoff Flibanserin haben überdies Nebenwirkungen, die die Vorteile überwiegen.

Statistisch betrachtet haben Frauen, die diese Tablette einnehmen, nur einen Orgasmus Vorsprung gegenüber Damen, die keine Addyi-Nutzerinnen sind. Die Anwenderinnen zahlen für dieses eine Mal „Kommen“ möglicherweise einen hohen Preis: Sie dürfen nämlich während der gesamten Anwendungsdauer keinen Alkohol trinken und haben laut der Studie mit Nebenwirkungen zu rechnen:

Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und allgemeine Erschöpfung können auftreten – allesamt Faktoren, die nicht unbedingt nach einem vergnüglichen Schäferstündchen klingen, sondern diesem eher im Wege stehen.    

„Die Auswertung dieser Daten legt nahe, dass die von Flibanserin hervorgerufene Veränderung minimal ist", heißt es in der Studie. Flibanserin wirkt, ganz im Gegenteil zum Wirkstoff der Männer-Lustpille Viagra, im Gehirn. Es verändert Botenstoffe, um so den Appetit auf Sex bei Frauen zu steigern und verhält sich vergleichbar mit einem Antidepressivum.

So kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Addyi weiteren Untersuchungen unterzogen werden müsse, bevor es an Patienten ausgegeben werden kann, obschon es seit Oktober 2015 in den USA zugelassen ist. Außerdem sollte es nur als Teil einer Behandlung zum Einsatz kommen, bei der auch psychotherapeutische Methoden unterstützend angewandt werden.

Wann und ob die umstrittene Lustpille für die Frau nach Deutschland kommt, ist noch ungeklärt. Mann.tv ist aber überzeugt, dass es noch etwas dauern wird, bis das Medikament den guten, alten Alkohol als sexuellen Eisbrecher abgelöst hat.