Eine Blondine, deren Silikonbrüste das Oberteil bis zum Anschlag spannen, auf einer roten Corvette räkelnd in der heißen Wüstensonne … Stopp! Falscher Film, falsches Bild. Die Models von SuicideGirls.com gehen da einen anderen Weg der Erotik, der sicherlich nicht jeden anspricht, aber definitiv mehr der natürlichen Schönheit näherkommt als der allgemeine Mainstream. Sie posieren in stilisierten Alltagssituationen oder stellen Fotostrecken mit inszeniertem popkulturellen Hintergrund ins Netz. Überdies legen unzählige Foto-Sets eine Vielfalt an den Tag, die man auf den stereotypischen Erotikseiten vergeblich sucht. Die Suicide Girls sind mittlerweile weit über die USA hinaus bekannt. Mittlerweile gehören Models von Europa bis nach Asien der Community an. Wir haben uns Mitgründerin und Fotografin Selena Mooney alias Missy Suicide geschnappt, um mit ihr über das Phänomen der Suicide Girls, über Männer, Sexobjekte, Tattoos und amerikanischer Prüderie zu plaudern.

„SuicideGirls ist eine Alternative zu den Mainstream-Medien, die mit Besessenheit auf Silikon-verstärkte Barbie-Puppen und unglaublich hüllenlose Starlets pochen. (Doch) Menschen auf der ganzen Welt wollen sehen, dass sich Schönheit und Intelligenz nicht gegenseitig ausschließen“, erzählt uns Missy Suicide zum Einstieg in das Gespräch, setzt gleich eine Duftmarke und ergänzt: „Mein Glaube in Bezug auf SuicideGirls gründet darauf, jeder Frau zu zeigen, Vertrauen in sich selbst, ihren Körper und ihre Sexualität zu haben. Vor allem dann, wenn sie nicht zur trivialen, engen Definition von Schönheit passt. Die klassischen Pin-Ups repräsentieren eben diese Ideale für mich und wir erweitern diese Vorstellung.”

Die Suicide Girls sind nach mittlerweile zwölf Jahren zu einer weltweiten Institution geworden, wobei niemand mit solch einer Entwicklungsexplosion rechen konnte. Dabei unterscheiden sich die heutigen Ziele von Missy nicht von denen aus Anfangstagen. „Das Ziel am Anfang war, Freunde zu finden und etwas zu erschaffen, was ich mochte. Das ist auch heute noch meine Intention. Mit dem Unterschied, dass wir uns heute massiv zur Marke ausgebaut haben“, berichtet uns die Mitgründerin und fügt freudestrahlend hinzu: „Es gibt Tage, da kann ich das alles immer noch nicht fassen. Die Website startete mit ein paar Freunden von mir, die modelten und jetzt gibt es mehr als 2.500 Mädchen aus der ganzen Welt auf allen Kontinenten. Einschließlich der Antarktis.“

SuicideGirls.com ist laut Missy Suicide vor allem wesentlich mehr als eine stumpfe Webseite, auf der man nackte Frauen sehen kann. Es ist eine große Familie, eine weltweite Community. Missy Suicide definiert es folgendermaßen: „SuicideGirls ist eine Gemeinschaft von Mitgliedern und Models – ein wirklich soziales Netzwerk. Wir denken, dass uns dies zu etwas Besonderem macht. Hunderte Paare haben sich auf SuicideGirls getroffen, haben geheiratet und Babys wurden geboren. Alles, weil sich ihre Eltern bei uns gefunden haben. Das scheint ziemlich einzigartig für eine Website zu sein, die über ein Arsenal an Aktfotos verfügt.“

Dennoch bleibt ein Augenmerk auf den vielen hübschen Damen der Seite. Die oftmals ihre Haut in eine bunte Landschaft verwandelt haben. Doch anno 2001 waren Tattoos noch alles andere als trendy. „Als wir 2001 mit SuicideGirls starteten, waren Tätowierungen tabu und nicht annähernd so allgegenwärtig, wie sie es heute sind. Allerdings sind Tattoos keine Pflicht bei unseren Models, das waren sie früher nicht und sie werden es auch in Zukunft nicht sein. Einige unserer Mädels haben viele, andere gar keine. Am Ende ist es so – ein Suicide Girl definiert sich über ihre Einstellung, nicht über ihren Körperschmuck“, erzählt uns Missy, um direkt ein paar Worte zum Thema Kontrast zwischen Porno und Kunst zu verlieren: „Es ist ganz einfach – generell ist das menschliche Gebilde wunderschön, die nackte, weibliche Gestalt ist aber wahrscheinlich das meistgefeierte und zugleich am schärfsten diskutierte Thema in der Kunstgeschichte!“

Apropos Brüste, Nippel und splitternackte Frauen: Dass SuicideGirls ausgerechnet in den USA ins Leben gerufen wurde, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Schließlich sind die USA nicht gerade das liberalste Land der Welt und Meister der Prüderie. Missy seufzend: „Oh mein Gott, wir sind hier in den USA so extrem prüde, dass Brüste noch heute tabu sind. Bei uns müssen sich Mädchen noch schämen, wenn sie ihren Körper zeigen, was schlicht auch den Umgang mit ihrer Sexualität beschneidet. SuicideGirls bekräftigt jede Frau darin, dass sie schön ist. Je mehr Frauen ihren Körper und ihre Sexualität lieben, desto glücklicher wird der Planet sein. Das gilt dann sogar auch für die USA.“

Die Webseite besuchen aktuell 48 Prozent Frauen und 52 Prozent Männer. Eine ausgeglichene Besucherzahl, wobei man ja erstmal annehmen sollte, dass es doch 90 Prozent Männer sein müssten. Aber das ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass die Seite (wie erwähnt) eben nicht nur eine reine Bilderschau an nackten Tatsachen bietet. Missy Suicide: „Ich denke, dass die meisten Männer und Frauen auf die Seite gehen, um Brüste zu sehen, aber am Ende bleiben sie der Gemeinschaft wegen.“ Männer sind gern gesehene Gäste und Mitglieder, die sehr in die Community und Gruppen eingebunden sind.

Obschon es zumindest in Teilen der Welt nach wie vor das Problem gibt, dass Frauen, die sich zeigen, wie Gott sie schuf, schnell auf die Stufe des reinen Sexobjekts abgewertet werden. Diese Gefahr ist bei einer Erotikseite ungemein hoch. Missy Suicide erstickt dieses drohende Übel jedoch schnell im Keim, zumindest in Bezug auf die Mitglieder der Seite. „Ich glaube, unsere männlichen Mitglieder wissen es wirklich zu schätzen, Gespräche führen zu können über „Dr. Who“, 3-D-Druck oder den Bürgerkrieg in Syrien – und das mit allen Models unserer Seite. Unser soziales Netzwerk basiert auf gemeinsamen Interessen. Die Gespräche sind in der Regel ziemlich respektvoll. Da wird kein Model als dummes Sexobjekt gesehen oder so behandelt. Außerdem – vier US-Dollar Mitgliedsbeitrag im Monat mögen nicht die Welt sein, doch der Betrag ist hoch genug, um damit Leute von der Seite fernzuhalten, die nur Scheiße reden wollen.“ Missy fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Und natürlich denke ich, dass unsere Mitglieder zu den coolsten Menschen auf dem Planeten zählen – Frauen wie Männer!“

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