Es gäbe Klischees nicht, wäre an ihnen nicht auch etwas Wahres dran. Insofern ist eine Welt ohne Klischees wohl kaum vorstellbar, nähren sie sich doch ähnlich wie Mehlwürmer und Fruchtfliegen selbst. Dabei gibt es kleine harmlose Klischees und große, prominente. Eines der letzteren Gattung besagt, dass Frauen, die es sich leisten können, ihre Reize gerne mal dazu einsetzen, um zu bekommen, was sie wollen. Und darin steckt wie in so einer russischen Matrjoschka-Puppe auch gleich noch ein weiteres Klischee. Nämlich, dass wir Männer uns von einem üppigen Dekolleté in der Entscheidungsfindung beeinflussen lassen. Aber stimmt das?

Der Pariser Wissenschaftler Dr. Sevak Kertechian ist dieser Frage nachgegangen und führte dazu eine Forschungsarbeit durch, deren Kernaussage darin bestand, dass Frauen mit weit ausgeschnitten Oberteilen leichter eine Stelle erhalten, als Frauen, die sich bei der Kleiderwahl eher zurückhaltend zeigen.

Um diese Theorie auf die Probe zu stellen, beauftragte er zwei Frauen, sich über einen Zeitraum von zwei Jahren für jeweils 200 Jobs zu bewerben. Darunter nicht nur welche, in denen ein ansprechendes Äußeres von Vorteil sein könnte, sondern auch diverse buchhalterische Tätigkeiten, die nicht zwingend den direkten Kundenkontakt bedeuten. Die Qualifikationen waren bei den beiden Damen nahezu identisch, nur dass eben 100 Bewerbungen ein Foto mit weitausgeschnittenem Top enthielten, während die anderen 100 Bewerbungen mit einem Foto präpariert waren, das eine konservativ gekleidete Frau zeigte.

Das Ergebnis war recht deutlich: Mit tief ausgeschnittenem Oberteil ergatterten die Probanden ganze 62 Einladungen für persönliche Vorstellungsgespräche und 68 Telefoninterviews mehr als mit hochgeschlossenem Outfit. Das entspricht einer um das 19-Fache erhöhten Chance, einen Job zu bekommen!

Und damit stehen wir alle irgendwie dumm da: die Männer, die sich von so etwas beeinflussen lassen und die Frauen, die so zu punkten versuchen. Die Frage, wer nun zuerst geschossen hat, überlassen wir aber besser jemand anderen.