Der letzte Teil der Bestseller-Verfilmung zu „50 Shades“, „50 Shades of Grey – Befreite Lust“, ist in den deutschen Kinos gestartet, nicht nur die Buchreihe über die SM-Spielchen zwischen dem Milliardär Christian Grey und der unterwürfigen Anastasia Steele ist ein absoluter Welterfolg. Doch was halten die Deutschen eigentlich von Dominanzspielchen im Bett – und was finden Frauen daran erregend, „beherrscht“ zu werden, sich zu unterwerfen? Das Casual-Dating-Portal C-Date befragte seine Nutzer und eine Sexualforscherin zu dem Thema, um eindeutige Antworten zu Tage zu fördern. Demnach stehen 22 Prozent der männlichen deutschen Nutzer des Portals auf Unterwerfungs-, Fessel- und Schmerzspielchen.

Bei den Frauen sind es 19 Prozent. Auch Rollenspiele stehen hoch im Kurs, 20 Prozent der Damen und 21 Prozent der Männer können sich dafür begeistern. Fetische bewegen immerhin noch 14 Prozent der Frauen beziehungsweise 15 Prozent der Männer. 58 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer des Portals setzen auf die eine oder andere Weise Sex Toys ein. Die renommierte Sexualforscherin Andrea Burri vom European Institute for Sexual Health ist von diesen Ergebnissen keineswegs überrascht: „Der Wunsch nach Sicherheit ist etwas, das sehr tief in Frauen verankert ist. Und ein Mann fühlt sich durch eine devote Frau in seiner Männlichkeit bestätigt“, so Burri.

Gerade in sexuell selbstbewussten Zeiten, in denen auch Frauen ihre Wünsche klar formulieren, stellt dies für Burri keinen Widerspruch dar: „Zwar haben die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten zehn, zwanzig Jahre es den Frauen ermöglicht, zunehmend neue Formen der Sexualität zu entwickeln, in der auch Genuss und sich zu nehmen, was man will, im Vordergrund stehen. Aber das reicht nicht aus, um sich gegen das jahrtausendealte instinktive Verhalten durchzusetzen. Der Wunsch nach Sicherheit und Führung ist etwas, das evolutionsbiologisch sehr tief in Frauen verankert ist.“ Auf instinktiver Ebene teile der dominante Mann, der sich durchzusetzen versteht, seiner Frau mit: Ich habe starke Gene.

Unterwerfung ist ein Vertrauensbeweis

Diese garantieren einen lebensfähigen Nachwuchs. Doch natürlich spielen noch andere Faktoren eine Rolle, wie Burri ausführt: „Einige Frauen suchen aber auch die Spannung und das Abenteuer, auch das wird indirekt über die Dominanz ausgestrahlt.“ Männer hingegen bestätige es in ihrer Männlichkeit, wenn sich ihnen eine devote Frau hingibt: „Außerdem ist es auch ein Vertrauensbeweis, wenn sich eine Frau vom Mann dominieren lässt.“ Solche Verhältnisse im Schlafzimmer müssten laut Burri aber keineswegs einen Schluss auf Verhältnisse im normalen Alltag zulassen:

„Dominanz und Submission sind zwar Grundzüge, können aber in verschiedenen Situationen auch verschieden ausgeprägt gelebt werden oder ein Bedürfnis sein. […] Neurobiologische Theorien gehen davon aus, dass sowohl Mann als auch Frau dominante und submissive Vernetzungen besitzen, welche beide mit dem Belohnungszentrum im Hirn verknüpft sind. Das scheint einer der Gründe zu sein, wieso viele zwar die Präferenz für eine Rolle haben, jedoch auch im Rollenwechsel Erfüllung finden.“

Weit weniger verbreitet seien hingegen die Lust am Schmerz bzw. dem Zufügen desselben, Masochismus und Sadismus. Doch wo dies der Fall ist, kennt die Wissenschaft bereits Antworten: „Neuere Studien zeigen, dass es beträchtliche Überlappungen gibt bei den Hirnaktivierungen von Schmerz und Genuss”, weiß Andrea Burri. „So kommt es auch beim Empfinden von Schmerz zur Ausschüttung einer Reihe von chemischen Botenstoffen, die zu einer Art ekstatischem Zustand führen können.“