Wir würden fast schon Wetten darauf abschließen, dass so ziemlich jeder unserer Leser bereits die Erfahrung gemacht hat, dass es eine schlechte Idee ist, die Launen einer Frau im Streit mit ihrem Hormonhaushalt in Verbindung zu bringen. Angeblich haben die Hexentage nichts mit der Stimmung zu tun, und wir sind an allem schuld. Das alte Lied …

Auf der anderen Seite dürfen Frauen ihre Menstruation immer dann als Argument auf den Tisch knallen, wann es ihnen gerade in den Kram passt. Oft, wenn wir kurz davor stehen, einen Streit zu gewinnen, oder auch gerne, wenn sie mal wieder keine Lust auf Sex hat.

Zwei Seiten einer Medaille, doch wenn man Peter Kanzler, Chefredakteur eines führenden deutschen Gesundheitsmagazins, Glauben schenken mag, besteht keine davon aus Gold. Denn dass Zickigkeit und depressive Stimmung durch Hormone ausgelöst werden, ist seiner Meinung nach ein weit verbreiteter Irrglaube.

„Es gibt bisher keine solide Studie, die solche Klischees stützt", behauptet Kanzler und setzt noch nach, dass Hormone überschätzt werden, was ihren Einfluss auf die weibliche Stimmung betrifft. „Das sogenannte prämenstruelle Syndrom – kurz PMS – lässt sich wissenschaftlich nicht eindeutig nachweisen. Hormone beeinflussen zwar die Stimmung, aber Frauen sind der Wirkung nicht ausgeliefert.“

Und selbst den gefürchteten Wechseljahren stutzt Kanzler die Krallen. Hitzewallungen, Schweißausbrüche, ja! Wehleidigkeit und Wutausbrüche, nein! „Viel wichtiger als die Hormone ist die psychosoziale Situation der Frau und auch das eigene Selbstbild.“

Wieder etwas gelernt. Aber irgendwie ist es dann doch schöner, mit der Lüge zu leben. Denn wenn die Hormone nicht schuld sind, dann muss sich so mancher Mann schließlich eingestehen, dass seine Frau ganz einfach eine Kratzbürste ist.