Eine der kuriosesten und tragischsten „Bild“-Schlagzeilen des ausgehenden Jahres 2017: „Elektriker erwürgt sich in selbst gebautem Porno-Raumschiff“. Die Staatsanwaltschaft Hanau hatte erklärt, der Mann habe sich den Körper und den Hals mit Ketten gefesselt – ein autoerotischer Todesfall. Die „Bild“ schilderte damals, beim Fund der Leiche liefen im Hintergrund noch Pornofilme. Einer von vielen autoerotischen Unfällen, bei denen sich Menschen durch den Sauerstoffentzug Lust zufügen, aber etwas schiefgeht. Der Rechtsmediziner Harald Voß, der in Frankfurt an der Oder praktiziert, hält ein bis zwei Fälle pro Million Einwohner für realistisch. 

Eine Zahl von etwa 80 bis 100 Erstickungstoden beim Geschlechtsakt. „Die Dunkelziffer ist ausgesprochen hoch, das ist ein sehr seltener Fall in der Rechtsmedizin“, schildert Voß, der angibt, in 30 Jahren Berufstätigkeit vielleicht auf fünf solcher Fälle gestoßen zu sein. „Wenn die Auffindesituation für die Polizei eindeutig ist, kommt das gar nicht zu uns.“ Es gäbe Hinweise für einen Unfall bei der Selbstbefriedigung, etwa entblößte Genitalien, pornographische Hilfsmittel wie Bilder und Videos, einen Spiegel in der Nähe des Opfers, Fesseln und/oder Tüten auf dem Kopf. Ebenso, wenn kein Abschiedsbrief des Toten zu finden sei und das Opfer allein in einem geschlossenen Raum gefunden werde.

Oftmals würden laut Voß die Angehörigen beim Leichenfund solche Hinweise aber aus Scham entfernen – und es ginge dabei nicht immer nur um die Hypoxyphilie an sich, also die autoerotische Erstickung. Unter den bekannteren Opfern solcher Sex-Unfälle waren etwa der „Kill Bill“-Star David Carradine oder auch angeblich der Sänger der Popgruppe INXS, Michael Hutchence. Meist sind laut Voß Männer die Opfer solcher Unfälle, doch „Das gibt es auch bei Frauen, aber es kommt seltener zum Tod, weil Frauen offensichtlich vorsichtiger sind und nicht so viele Raffinessen einbauen.“ 

Fünf Vorhängeschlösser an den Ketten

So auch bei dem Opfer aus Hessen, der Mann soll laut „Bild“-Informationen ganze fünf Vorhängeschlösser an seiner Würgevorrichtung angebracht haben, die er hätte in der richtigen Reihenfolge öffnen müssen, um zu entkommen. Ein anderes Opfer, den Sohn einer alten Dame, fand man mit den Klemmen einer Weihnachtsbeleuchtung an den Brustwarzen. Die Frau hatte die eigentlichen Lichter entfernt, aber Verbrennungen am Körper des Opfers brachten Voß auf die richtige Spur – erst dann gestand die Mutter ein, dass der Mann sich durch Stromschläge stimuliert haben musste. Sein Herz war dem nicht gewachsen gewesen.

In Hamburg fand man laut „Frankfurter Rundschau“ hingegen einen Mann, der mit Lagen aus einer Nylonstrumpfhose, einem Plastikregenmantel, einem Taucheranzug sowie Scheiblettenkäse umhüllt war und der sich so mit einer Plastiktüte auf dem Kopf vor einer eingeschalteten Heizung stimuliert hatte. Eine groteske Situation für Menschen, die die Opfer finden. Voß dazu: „Die gehen ja nicht davon aus, dass sie sterben, natürlich möchte man so nicht gefunden werden. […] Dass man bewusstlos wird, geht schneller, als die Leute denken. Wenn zum Beispiel beide Halsschlagadern abgepresst werden, dauert es maximal 30 Sekunden.“

Die Menschen würden das Opfer ihres Lustempfindens: Gefühle von Ohnmacht oder Gefahr steigerten dies sicher noch. Doch was reizt Menschen daran, sich so etwas anzutun? Laut Voß vermutet die Wissenschaft eine Euphorisierung durch den Sauerstoffmangel, die in Kombination mit dem Orgasmus noch gesteigert würde. Beides führe im Gehirn wahrscheinlich zu einem Dopaminschub – dies ausprobieren zu wollen, ziehe sich durch alle Altersschichten, nicht nur Jugendliche seien dafür anfällig.

Quelle: tag24.de