Als Porno hat man es aber auch nicht leicht. Da gelingt einem schon das Kunststück, sich wie ein Maulwurf in die Mitte des gesellschaftlichen Akzeptanz-Rasens zu buddeln und dort einen Haufen zu machen, den zu sehen kaum einer glaubhaft leugnen kann, und plötzlich heißt es nicht mehr „Pornos sind schlecht“, sondern „VIELE Pornos sind schlecht“. Irgendwas ist ja immer, und aktuell geht es halt nicht mehr darum, dass hilflose Frauen ausgebeutet werden, sondern vielmehr darum, dass der Konsument sich quasi selbst ausbeutet. Oder genauer: sein Sexualleben!

Laut Expertenmeinung führt der leichte Zugang zu Millionen von Videos im Netz zu einem Raubbau der Lust. „Schlussverkauf im Porno-Markt! Alles muss Rein-Raus!", schallt es allerorten, und die Leute räumen fleißig Regale leer, die sich von selbst wieder auffüllen. Alleine auf Pornhub wurden im letzten Jahr unglaubliche 90 Milliarden Pornos geschaut. Das sind umgerechnet circa 12,5 pro Kopf eines jeden auf diesem Planeten lebenden Menschen. Von wegen: „Also, ich guck ja keine Schmuddelfilme!

Sexualität im Wandel der Zeit

Angesichts solcher Zahlen bleibt es nicht aus, dass Pornos die Art, wie wir Sex empfinden, deuten und sehen nachhaltig verändert. Man stellte sich nur mal vor, dass Analsex von 12-jährigen heutzutage als etwas völlig Normales angesehen wird, während man sich eine Generation zuvor mit 18 noch mehr auf den ersten Blowjob gefreut hat als auf den Führerschein. Aber sind Pornos deshalb Lustkiller oder gar wirklich ungesund?

Experten der Universität Laval in Kanada sind dieser Frage nachgegangen, rekrutierten flugs 830 Probanden und befragten diese, wie zufrieden sie mit ihrem Sexleben sind, wie oft sie Porno schauen, wie es ihnen dabei und danach ergeht. Nach Analyse der dabei gesammelten Daten stellte sich heraus, dass sich Porno-Konsumenten generell in drei Kategorien einteilen lassen:

  • Die „Freizeit-User“ mit 75,5 Prozent („recreational“).
  • Die „stark verzweifelten, aber nicht zwanghaften User“ mit 12,7 Prozent („highly distressed non-compulsive“).
  • Und die „zwanghaften“ User mit 11,8 Prozent („compulsive“).

Sucht oder Genuss?

Angehörige der beiden letztgenannten Gruppen zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum einen stark unter dem Pornokonsum litten und zum anderen zwanghaft viele Pornos schauen mussten. Klingt nicht nur nach einem Problem, sondern ist auch eines. Doch wie ihr den Zahlen entnehmen könnt, steht dem die große Mehrheit der Freizeit-User gegenüber. Und diese berichteten von mehr Zufriedenheit mit dem eigenen Sexleben und weniger sexueller Zwanghaftigkeit und sexuellen Funktionsstörungen. Oder wie der Studie zu entnehmen ist:

Diese Ergebnisse legen nahe, dass für die meisten Leute Pornografie ein aktives und offenes Sexleben unterstützen kann, oder zumindest die sexuelle Zufriedenheit nicht beeinträchtigt.

Soll heißen, dass Pornos nicht ausschließlich schädlich sind, sondern im Gegenteil für viele User sogar positive Auswirkungen auf die eigene Sexualität haben können. Dürfen wir nun also aufatmen und guten Gewissens weiter schütteln? Nicht unbedingt, denn die Pornoforschung steckt noch in den Kinderschuhen und wird sicherlich noch so einiges an erschütternden Erkenntnissen zutage fördern. Aus unserer Sicht steht unterm Strich jedoch, dass es sich in Sachen Pornos letztlich wie mit jedem anderen Genussmittel auch verhält: Am Ende ist es der mäßige und verantwortungsvolle Konsum, der über Wohl oder Übel entscheidet.

Quelle: welt.de