Die Frage, wie einvernehmlicher Sex zu definieren ist, wird auf der #MeeToo-Flamme derzeit heiß gekocht und uns sicherlich noch lange beschäftigen. Am Ende wird vermutlich ein deutlich verschärftes Sexualstrafrecht stehen, welches sich möglicherweise am schwedischen Vorbild orientiert. Dort ist Geschlechtsverkehr nur noch dann legal, wenn ihm beide Partner ausdrücklich und erkennbar zustimmen. Das vielzitierte „Nur Ja heißt Ja“. Hierzulande dagegen wird Passivität aktuell noch als „stilles Einverständnis“ interpretiert. Zwar fordert jeder zweite Deutsche in dieser Hinsicht eine Nachbesserung in unserem Rechtssystem, aber wie genau soll die Nummer dann in Zukunft laufen, damit man in Sachen Sex auf der sicheren Seite ist? Ganz einfach: Mit einer App!

Programmierer aus den Niederlanden haben eine App entwickelt, mit der sich ein legales Betthupferl im Vorfeld organisieren lässt. Mittels „LegalFling“ können sich vermeintliche Sexpartner vorab darüber austauschen und somit rechtlich absichern, über welche Praktiken Einverständnis herrscht und welche nicht erlaubt sind. Klingt schräg und unromantisch? Nicht ohne Grund wirbt das Start-up mit dem Werbespruch: „Sex sollte nicht nur Spaß machen, sondern auch für alle sicher sein.“

Willst du mit mir vögeln? Kreuze an: Ja oder Nein

In der App lassen sich dann auch so ziemlich alle möglichen und unmöglichen Sexpraktiken anwählen. Die Liste reicht von Zungenküssen über Fellatio, BDSM-Spiele, die Nutzung von Kondomen. Selbst das Drehen von Videos kann angefragt werden. Wie man sein Menü zusammenstellt, bleibt letztlich jedem überlassen. Wichtig ist halt, dass beide zustimmen.

„LegalFling“ soll nicht nur die schnelle Nummer bei einem One-Night-Stand absichern, sondern auch den Sex in Beziehungen auf eine legale Matratze betten. Wenn dann alle Teilnehmer dem virtuellen Vertrag zugestimmt haben, erhält man eine Nachricht auf sein Smartphone. Nur noch flott auf „Bestätigen“ klicken und schon kann man ruhigen Gewissens in See stechen. Was die sensiblen Daten betrifft, haben User laut den Entwicklern nichts zu befürchten, da jeder Vertrag von sogenannten Blockchains abgesichert sei. Und wenn ein Vertragsteilnehmer sich nicht an die Vereinbarungen hält, ist der Vertrag damit hinfällig und die Nummer könnte bei der Polizei landen.

So zumindest die Theorie. Denn ob ein derartiger via App getätigter Vertragsabschluss vor einem europäischen Gericht tatsächlich Bestand hat, ist derzeit noch fraglich. Experten warnen bereits davor, dass eine App wie „LegalFling“ vor allem jungen Nutzern ein falsches Gefühl von Sicherheit vermittle. Denn wie soll bewiesen werden, dass der Partner auf den „Bestätigen“-Button geklickt hat und nicht jemanden anderes? Zudem müssen Apple und Google die App erst noch genehmigen, bevor diese zum Download bereitsteht.

Quelle: n-tv.de