Wie oft hab ihr schon eine Gelegenheit an euch vorüberzeihen ziehen sehen und euch dabei gewünscht, dass es einfach einen Knopf gäbe, mit dem sich diese – Pardon, aber es ist ja nun mal so – verfickte Schüchternheit einfach abstellen ließe?! Zweifelsohne gibt es auch viele Draufgänger dort draußen, Alpha-Männer, die ohne zu Zögern eine Frau ansprechen. Glückwunsch! Aber seien wir doch mal ehrlich: Die Meisten von uns lassen sich von Schönheit blenden wie ein Reh vom Scheinwerferlicht, nur um im ewigen „Game of Hormones“ immer wieder als Kadaver am Straßenrand zu enden. Doch für alle, die ob dieser düsteren Worte noch nicht aufgehört haben zu lesen, und das Problem nur allzu gut kennen, könnte es bald eine Lösung geben: Die Flirt-Pille für den Mann!

Klingt im ersten Moment wie ein blöder Scherz, Wissenschaftler des „King’s College London“ sind aber tatsächlich einem physiologischen Ansatz zur Bekämpfung lähmender Schüchternheit auf die Spur gekommen. Wie so oft dreht sich dabei alles um Hormone. Genauer: Um das ulkig treffend benannte „Kisspeptin“. Wie die Endokrinologen aus England herausgefunden haben, kann das Zeug nämlich einerseits dabei helfen, Ängste zu reduzieren, während es andererseits als Katalysator für die männliche Sex-Lust dient. Wie praktisch.

Bekannt ist das Hormon bislang nur aus Filmen wie „Schwangerschaft“ und „Pubertät“. Wie sich nun jedoch gezeigt hat, ist Kisspeptin auch in der Lage, Neuronen in der Amygdala zu triggern, einer Hirnregion, die besonders wichtig für unsere Gefühle, Erregung und Lust ist. Somit ließe sich nicht nur sexuelles, sondern auch soziales Verhalten regulieren. Zumindest wenn man die Ergebnisse von Experimenten an Mäusen auf den Menschen übertragen kann.

Rattige Mäuse

Im Zuge dieser gelang es den Wissenschaftlern, besagte Kisspeptin-Neuronen bei männlichen Mäusen zu triggern, was eine augenscheinliche Veränderung im Verhalten der Tiere nach sich zog. Diese beschäftigten sich auf einmal verstärkt mit den weiblichen Vertretern ihrer Art und zeigten insgesamt weniger Angst.

Allerdings wird sicherlich niemals in einer wissenschaftlichen Abhandlung offiziell die Rede davon sein, dass die Mäuse begonnen haben zu flirten. Experten, wie der an der Studie beteiligte Daniel Adekunbi, formulieren es eher so:

„Bei Männern stehen psychologische Ängste oft im Zusammenhang mit sexueller Dysfunktion. Unsere Studie zeigt, dass die Aktivierung von Kisspeptin-Neuronen die sexuellen Vorzüge und die Ängste im Hinblick auf Paarung steuert. Das legt nahe, dass Kisspeptin funktional gesehen den maximalen reproduktiven Erfolg von Männchen anregen kann.”

Auf Basis ihrer ersten Erkenntnisse erforscht das Team nun fleißig weiter die Auswirkungen des An- und Abschaltens der Kisspeptin-Neuronen und schürt damit berechtigte Hoffnungen, dass Kisspeptin eines Tages bei der Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen helfen könnte.

Welche Folgen es haben mag, dass eine Pille oder etwas Vergleichbares zum Einen Hemmungen abbaut und zum Anderen die männliche Lust steigert, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt. Etwas Ähnliches soll es ja schon geben, nur eben in Pulverform.

Quelle: welt.de