Das Schöne daran, in aufgeklärten Zeiten zu leben, ist unter anderem, dass man unverbindlichen Sex haben kann. Genaugenommen muss man seinen Sexualpartner nicht mal mehr kennen, um sich miteinander zu vergnügen. Solange alles im gegenseitigen Einverständnis geschieht, ist daran grundsätzlich nichts auszusetzen. Allerdings sollte man sich gerade im Falle eines One-Night-Stands eine gehörige Portion Menschenverstand bewahren und nur geschützt in die Schlacht ziehen. Ansonsten könnte es euch ergehen wie einer Dame, die kürzlich mit einer kuriosen Klage vor Gericht für Aufsehen sorgte.

Besagte Frau hatte sich 2010 in Halle einen viertägigen Hotelaufenthalt gegönnt und das Zimmer seinerzeit mit einer männlichen Begleitung gemeinsam angemietet. Was in diesem Zimmer so alles geschah, sei der Fantasie des Lesers überlassen. Fakt ist aber, dass am 14. März 2011 der kleine Joel zur Welt kam, welcher laut der Klägerin in eben jenem Hotel gezeugt worden war. Blöd nur, dass Joels Mutter nicht mehr die geringste Ahnung hatte, wie sein Vater eigentlich hieß. Unterhalt hätte sie allerdings trotzdem gerne, weshalb sie vor das Amtsgericht München zog und das Hotel auf die Herausgabe des vollständen Namens und der Adresse ihrer flüchtigen Sex-Bekanntschaft verklage.

Alles woran die Frau sich noch zu erinnern glaubte, war der Vorname des potenten Knaben. „Michael“ soll er geheißen haben, und tatsächlich hatten laut Angaben des Hotels auch vier Michaels zum betreffenden Zeitpunkt dort übernachtet.

Intimität versus Intimsphäre

Die Klägerin wird sich daraufhin dem Sieg vermutlich schon sehr nahe gefühlt haben, allerdings machte ihr die Richterin einen Strich durch die Rechnung. Denn diese wies die Klage ab und argumentierte unter anderem, dass eine Herausgabe der Daten von allen vier Männern „ins Blaue hinein erfolgen würde“ und mindestens drei Männer infolgedessen zu Unrecht verdächtigt werden würden.

Und selbst wenn die Frau die Angaben hätte präzisieren und die Auswahl damit eingrenzen können, gäbe ihr dies noch lange nicht das Recht auf die vollständigen Personendaten des damaligen Partners. Laut Gericht überwögen nämlich die informationelle Selbstbestimmung und der eigene Schutz der Ehe und Familie der betroffenen Männer das „Recht der Klägerin auf Schutz der Ehe und Familie und auf den Unterhaltsanspruch.“

Hinzu kommt, dass nicht nur die unschuldigen drei Michaels ein Recht auf Privat- und Intimsphäre haben, sondern auch der Partner, mit dem die Frau sich das Zimmer tatsächlich geteilt hatte. Von daher wurde im Richterspruch betont, dass auch der Partner eines One-Night-Stands ein Recht darauf hat, Daten geheimzuhalten.

Quelle: derwesten.de