Wasserstoff-Auto geht in Serien-Produktion – Automobilhersteller debattieren um das Thema der Wasserstoffantriebe für kommende Fahrzeuggenerationen. Manche Unternehmen forschen mit Hochdruck an entsprechenden Systemen, die Vorstandsmitglieder anderer Firmen, zuletzt etwa bei VW, twittern schon mal, dass diese Technik kaum Zukunft hat. In China sieht man das anders, dort wird nun der erste Pkw mit Wasserstoff-Brennstoffzellen in Serie produziert.

Die erbitterte Debatte wirkt mitunter kurios, hatten doch etwa deutsche Experten bereits ein preisgünstiges Wasserstoff-Hybrid-Fahrzeug mit 1000 Kilometern Reichweite entwickelt (MANN.TV berichtete) und gezeigt, wohin die Reise gehen könnte. Der chinesische Traditionshersteller Changan Automobile setzt jedenfalls nun auch auf die Technologie, sein neuestes Fahrzeug „SL 03“ erscheint auch mit der Unterbezeichnung „Deep Blue“ („Shenlan“) in einer Brennstoffzellen-Variante.

Es ist die erste und größte Massenproduktion solcher Fahrzeuge weltweit.

Dies geht aus einem Bericht von „24Auto“ hervor. Dem Unternehmen zufolge wird der Shenlan SL03 mit einer Reichweite von 700 Kilometern pro Tankfüllung glänzen – diese soll dabei lediglich drei Sekunden in Anspruch nehmen. Als das Fahrzeug Anfang Juni vorgestellt wurde, kündigte das Unternehmen an, in direkte Konkurrenz zu Tesla treten zu wollen. Immerhin gibt es den SL03 in gleich drei Varianten:

Vollelektrisch, wobei gleich zwei Akkugrößen verfügbar sein werden, als Hybriden mit erhöhter Reichweite sowie besagte Version mit Brennstoffzellen-Antrieb. Dabei soll der Preis sich je nach Antriebsform leicht unterscheiden, dem Unternehmen zufolge schlägt das Fahrzeug im Schnitt jedoch mit umgerechnet rund 28.000 Euro zu Buche. Die E-Version mit Akku bringt es bei der kleineren Variante auf 515, beim stärkeren Energiespeicher auf 712 Kilometer Reichweite.

Dem Hybriden sollen unter Idealbedingungen sogar 1.200 Kilometer bis zum nächsten Tankstopp zu entlocken sein.

Changan Automobile erläutert dies mit einem Motor mit 1,5 Litern Hubraum, der als Unterstützung für den Elektroantrieb zum Einsatz kommt. Bis dato entfällt der Löwenanteil des weltweiten und überschaubaren Wasserstoff-Pkw-Marktes mit 98 Prozent auf Toyota und Hyundai. Laut „Zeit Online“ soll es sich dabei noch um einen winzigen Nischenmarkt handeln, auf dem 2021 gerade einmal 17.000 Fahrzeuge mit Brennstoffzelle verkauft wurden – 1.600 davon an den chinesischen Markt.

Doch der Zuwachs auf den Märkten für diese Technologie soll enorm sein, gerade angesichts steigender Kraftstoffpreise und der Energiewende in der Mobilität. In China soll die Zahl der Wasserstofffahrzeuge sich mehr als verzehnfachen, bis 2030 sollen es über eine Million Pkw mit Brennstoffzellen sein, die rollen. Durch die angekündigte Massenproduktion des SL03 wirken solche Zahlen nun ungleich realistischer. Zumal eine entsprechende Signalwirkung Deutschland erfassen könnte.

Hierzulande jedenfalls will ein Drittel zukünftig nicht mit dem E-Auto, sondern lieber mit einem Wasserstoff-Pkw unterwegs sein

Dies berichtet „24Auto“ und beruft sich dabei auf eine Meldung von „Kreiszeitung.de“. Doch die westlichen Hersteller haben die Brennstoffzelle bislang noch nicht für sich entdeckt, von Ausnahmen einmal abgesehen: Während VW-Vorstandsmitglied Heribert Diess sich zuletzt auf Twitter relativ vehement gegen die Technologie aussprach, meldete Volkswagen nichtsdestotrotz ein Patent in dem Bereich an. Bei VW forscht man weiter an der Brennstoffzelle.

Überdies kursieren Gerüchte, Ford werde eine Wasserstoff-Variante seines beliebten Mustangs auf den Markt bringen. Auch ein weiterer großer US-Hersteller, General Motors, hat bereits angekündigt, Pick-up-Trucks bauen zu wollen, welche auf Wasserstoff-Technologien setzen. Man darf gespannt sein, welche Veränderungen des Marktes der „SL 03“ bei einem potenziellen Erfolg bewirken könnte – und wie man bei Tesla auf die Kampfansage reagiert.

Quelle: 24auto.de