Geahnt haben wir es bereits, aber es ist immer gut, seine Vermutungen auch mit Zahlen belegen zu können. Im aktuellen Fall bedeutet das: Auf deutschen Straßen herrscht Krieg. Okay, okay, vielleicht etwas zu reißerisch formuliert, doch laut einer Studie verspürt zumindest mehr als jeder dritte Autofahrer beim Fahren eine aggressive Grundstimmung.

Verantwortlich für die Untersuchung zeichnen Unfallforscher der Versicherungen. Dabei zeigte sich, dass mit 44 Prozent fast die Hälfte aller männlichen Autofahrer und mehr als ein Drittel der Frauen am Steuer zugeben, „mindestens manchmal aggressiv“ zu sein. Die Spitzenwerte liegen mit 58 Prozent in der Altersklasse der 20- bis Mitte 40-Jährigen.

Der an der Studie beteiligte Unfallforscher Siegfried Brockmann zeigte sich ob der Zahlen vor allem überrascht, dass gut verdienende Akademiker besonders aggressiv fahren:
Ich denke, es sind Menschen, die es gewohnt sind, sich durchzusetzen. Und die Straße als ein Revier sehen, in dem sie sich durchzusetzen haben.

Gut die Hälfte aller Autofahrer fühlt sich zudem gestresst, empfindet den Verkehr als „aufreibend“ und „druckerzeugend“. Ein Drittel macht das Fahren „nervös“. Brockman erklärt diese negative Grundstimmung damit, dass Verkehrsraum knapp geworden sei.
Die wachsende Konkurrenz darum empfinden viele Verkehrsteilnehmer nicht als angenehm.“

Frauen überholen die Männer

Dafür fühlen wir uns im Vergleich zum Jahr 2010 aber immerhin sicherer auf den Straßen. Auch wenn Sicherheit nicht mit Harmonie gleichzusetzen ist. Dies liege vor allem am Zuwachs an weiblichen Autofahrern, „eine neue Frauengeneration am Steuer, die das Fahrzeug selbstbewusst führt“. Diese lässt sich mittlerweile auch nichts mehr gefallen. Ein Drittel aller Befragten Fahrerinnen tritt auf die Bremse, um einen drängelnden Hintermann zu ärgern. Dieser Wert liegt sogar zwei Prozent über den der Männer! Dafür drängeln die Damen selber weniger.
Frauen sind nicht aufs Beherrschen der Straße ausgerichtet. Ihnen geht es eher um Selbstbehauptung und auch ums Erziehen der anderen. Männer zeigten dagegen weiterhin vorwiegend ein Dominanzverhalten.

Weit verbreitet sei zudem eine falsche Selbstwahrnehmung. Natürlich können fast alle Fahrer davon berichten, wie andere zu dicht einscheren, oder dreist an Kolonnen vorbeiziehen. Doch bloß ein Fünftel gibt zu, dies selber schon einmal gemacht zu haben. Ganze 97 Prozent gaben zu Protokoll, gesehen zu haben, wie Radfahrer zu dicht überholt werden. Aber 95 Prozent behaupten, besonders viel Rücksicht auf Radfahrer zu nehmen. Da passt ja etwas ganz gewaltig nicht. Oder wie Brockman resümiert:
Die Einsicht fehlt. Der Glaube, gut zu fahren, ist immer größer.

Quelle: heute.de