Benziner oder Diesel? Diesel natürlich! Das ist günstiger und schont die Umwelt! So die landläufige Meinung. Doch laut einer Studie im Auftrag der Grünen ist diese weit verbreitete Ansicht mittlerweile haltlos geworden, was Zweifel an der Rechtfertigung bestehender Steuervorteile für Dieselfahrzeuge schürt.

Wissenschaftler des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) und des Instituts für Klimaschutz, Energie und Mobilität sind im Zuge ihrer Studienergebnisse zu dem Schluss gekommen, dass angenommene Umweltvorteile für Dieselmotoren nicht mehr existieren. Galt bisher, dass diese aufgrund der effizienteren Technik weniger CO2 ausstoßen, sind die Benziner in Sachen Umweltfreundlichkeit mittlerweile gleichgezogen. Und wenn man dann auch noch die Enthüllungen im Zuge des Abgas-Skandals hinzunimmt, ist davon auszugehen, dass die CO2-Werte von Dieselfahrzeugen weit höher liegen könnten, als bisher angenommen.

Die Ergebnisse der Studie lesen sich im Detail wie folgt:
-Im Schnitt sind Benzin-Neuwagen laut Studie schon heute klimafreundlicher als Diesel-Fahrzeuge. Bei Betrachtung aller Fahrzeuge, also auch älterer Autos, liegen die Antriebstechniken nahezu gleichauf.
     
-Grund für das Zurückfallen der Diesel-Fahrzeuge sei, dass bei benzinbetriebenen Motoren nach und nach Verbesserungen beim CO2-Ausstoß erzielt worden seien. Im Gegenzug steigen Leistungsstärke und Gewicht dieselbetriebener Neuwagen seit Jahren. Damit werde der Vorteil der an sich effizienteren Technik aufgezehrt.
     
 -Die Gründe für den Trend zu mehr Größe und Pferdestärken seien vielfältig: So lohne sich der Einbau der vergleichsweise teuren Dieselmotoren nur in insgesamt höherklassige und damit größere Fahrzeuge. Zudem seien Dieselfahrzeuge durch verschiedene steuerliche Maßnahmen des Gesetzgebers vor allem für Vielfahrer attraktiv. Vielfahrer achten beim Kauf mehr auf Komfort, der im Allgemeinen in der Größe des Fahrzeugs gesehen wird.
     
-Hinzu kommt: Da Dieselfahrzeuge in den vergangenen Jahrzehnten für Vielfahrer als günstig wahrgenommen wurden, wurden sie stärker nachgefragt. Die Marketingabteilungen der Automobilindustrie verstärkten diesen Effekt.
     
-Die Studie stellt heraus, in welchem Maße Dieselfahrzeuge steuerlich vom Gesetzgeber bevorteilt werden – der wesentliche Grund für die wirtschaftliche Attraktivität dieser Antriebstechnik. Die Autoren bemängeln, diese Regelungen seien „derzeit weder technologieneutral, noch werden die externen Kosten der Kraftstoffe beziehungsweise Antriebstechnologien berücksichtigt“.
     
-„Externe Kosten“ meint: Dieselmotoren haben – unabhängig vom unmittelbaren CO2-Ausstoß – eine umweltschädlichere Bilanz aufgrund höherer Feinstaub- und Stickoxidemissionen. Auch hier gilt: Je größer die Motorleistung, desto mehr dieser Stoffe gelangen in die Luft.
     
-Die Studie weist zudem auf „unzulängliche Kontrollverfahren zur Einhaltung der Euro-Norm“ bei Dieselfahrzeugen hin. Gemeint sind die bekanntgewordenen Praktiken zur Manipulation des CO2-Werts – Stichwort: Abgasskandal. In diesem Zusammenhang bedeute die aktuelle Situation „einen ökologisch nicht mehr zu begründenden Vorteil“.

Der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer geht so weit, die „Erzählung der Automobilindustrie vom klimafreundlichen Diesel“ als Märchen zu bezeichnen, und fordert, das Dieselprivileg stufenweise abzuschmelzen. Die steuerpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Lisa Paus warnt zudem:
Die steuerliche Besserstellung des Diesel in Deutschland gefährdet akut die Zukunft des Automobilstandorts Deutschland.