Tempo 80 auf gut ausgebauten Landstraßen? Für viele Fahrer wohl kaum eine Traumvorstellung – doch genau das wird in Frankreich nun Realität. Um die Zahl der Verkehrstoten zu senken, wird dort ab dem 1. Juli das Maximaltempo auf Landstraßen von 90 auf 80 km/h runtergeschraubt. Doch für Autofahrer, die nun fürchten, so ein Modell auch bald hierzulande zu erleben, eine Entwarnung: Unfallforscher glauben nicht, dass der französische Vorstoß für deutsche Straßen tauglich wäre.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordert jedoch schon länger, dass die Regelgeschwindigkeit auf schmalen Landstraßen mit einer Fahrbahnbreite von bis zu sechs Metern deutlich reduziert wird: Hier sollten statt 100 km/h nur 80 gelten, doch dafür gut ausgebaute Landstraßen im Gegenzug für Tempo 100 freigegeben werden. DVR-Präsident Walter Eichendorf: „Wenn die Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr in Deutschland weiter sinken soll, dann müssen wir über angemessene Geschwindigkeiten auf Landstraßen reden.“

Je breiter die Straßen, desto höher das Tempo

Auch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) stößt in ein ähnlich klingendes Horn: „Sinnvoller als ein generelles Tempolimit ist es, die Geschwindigkeit je nach Ausbauzustand festzulegen“, so UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Je schmaler die Straße, desto langsamer. Auf schmalen, schlecht ausgebauten Straßen 70 km/h, Landstraßen in besserem Zustand, die noch dazu breiter sind, könnten dann auch mit 90–110 km/h befahren werden, so sieht es das Regelwerk RAL (Richtlinie für die Anlage von Landstraßen) für den Bau neuer Straßen vor.

Damit würde das Tempolimit nicht mehr auf bürokratischen Standpunkten basieren, sondern anhand des realen Gefahrenpotenzials einer Straßensituation orientiert. Dies ist für den Autofahrer leichter nachzuvollziehen, was laut Brockmann einen wichtigen Aspekt für die Einhaltung der vorgegebenen Geschwindigkeit darstellt. Diese würde ansonsten nämlich nicht eingehalten. Leider ist ein großer Teil der hiesigen Landstraßen jedoch keineswegs so gut ausgebaut, dass ein solches System umfassend zur Anwendung kommen könnte:

Brockmann zufolge könnten gerade einmal 15 Prozent der Landstraßen für Tempo 115 freigegeben werden, für die anderen 85 Prozent wäre eine Verringerung der Maximalgeschwindigkeit auf 90 oder gar 70 km/h notwendig.

Quelle: welt.de