Kein Tag ohne neue Nachricht zum Dieselskandal, so will es scheinen. Diese hier hat jedoch gravierendere Folgen als neuen Ärger für Dieselfahrer, sondern betrifft alle – nach einer Untersuchung sterben nämlich jedes Jahr 10.000 Menschen an den Folgen der von Dieselmotoren verursachten Stickoxid- und Feinstaub-Ausstöße. Laut einem Team von Wissenschaftlern tragen VW und Co. dabei die Mitschuld an etwa der Hälfte dieser Todesfälle.

5.000 der 10.000 Opfer seien allein auf die Manipulationen bei Abgaswerten zurückzuführen, so folgern die Forscher eines internationalen Teams, das in 28 EU-Ländern sowie in Norwegen und der Schweiz Daten ausgewertet hatte. Die Experten, die aus Österreich, den Niederlanden, Schweden und Norwegen stammen, veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchungen im britischen Fachblatt „Environmental Research Letters“. Sie sind überzeugt: Würden die manipulierten Dieselfahrzeuge im Straßeneinsatz lediglich so viel ausstoßen wie unter Laborbedingungen, könnten jährlich 4750 Todesfälle vermieden werden.

Viele Opfer auch in Deutschland

Die meisten Todesopfer forderte der erhöhte Stickoxid-Ausstoß der Dieselmotoren dabei in Italien, Deutschland und Frankreich. Dies liege den Forschern zufolge sowohl an der hohen Bevölkerungszahl als auch am verhältnismäßig hohen Anteil, den Dieselfahrzeuge hierzulande stellen. Fast jedes zweite Auto in Europa ist mittlerweile ein Diesel, gut 100 Millionen Fahrzeuge und damit beinahe doppelt so viele wie in der übrigen Welt. Weltweit sollen Stickoxide allein 2015 38.000 vorzeitige Todesfälle verursacht haben, zu diesem Schluss kam das Fachblatt Nature bei einer Schätzung im Mai.

Im Gegensatz zu Benzinern stoßen Dieselmotoren weniger klimaschädliches Kohlendioxid aus, erzeugen dafür aber mehr Stickoxide. Diese bilden unter anderem Feinstaub, der für eine Vielzahl von gesundheitlichen Beschwerden verantwortlich sein kann: Er dringt etwa in die Lungen und den menschlichen Blutkreislauf ein, sorgt für Seh- und Zahnerkrankungen sowie Kopfschmerzen und belastet die Atemwege. Überdies trägt er zur Bildung von saurem Regen bei.

Quelle: mdr.de