Ein Blick aufs Navi, mal eben am Steuer das Smartphone checken, oder sich mit der Partnerin/dem Partner auf dem Nebensitz zoffen: Schnell ist man am Steuer abgelenkt. Bei 11 Prozent der Unfälle mit hohen Sachschäden war der Fahrzeugführer abgelenkt, bei knapp einem Drittel (30 Prozent) aller Unfälle sind Ablenkungen im Spiel. Damit haben sie den Alkohol als Haupt-Unfallursache mit Volldampf überholt, denn der spielt nur noch bei neun Prozent aller Crashs eine Rolle. Das geht aus einer Untersuchung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) hervor.

1600 Autofahrer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden dazu befragt und zugleich die hauseigenen Unfalldaten der Versicherung ausgewertet. Dabei offenbarte sich: Die häufigste Ablenkung ist dem Fahrzeug verbaute Technologie, neben dem Radio auch Gadgets wie der Bordcomputer und das Navi. 74 Prozent der befragten deutschen PKW-Fahrer beziehungsweise 86 Prozent der Fahrer aus Österreich gaben dies an. 39 Prozent der Befragten bedienten nach eigenen Angaben das Navi während der Fahrt manuell. Doch natürlich spielt auch eine andere tägliche Spielerei eine große Rolle:

Das Smartphone/Handy – 57 Prozent der befragten österreichischen Autofahrer gaben zu, gegen das Handyverbot am Steuer zu verstoßen, bei den Deutschen und Schweizern waren es immerhin noch etwa 50 Prozent. 60 Prozent der PKW-Fahrer, die in den letzten drei Jahren in Unfälle verwickelt waren, offenbarten, dass sie während der Fahrt zum Smartphone greifen. Bei den Fahrern, die bislang noch nie einen Unfall hatten, waren es nur 37 Prozent.

„Kein überraschendes Ergebnis“

Auch Essen, Trinken und Rauchen können am Steuer ablenken und sind entsprechend verbreitet – 40 Prozent der Befragten aus allen drei Ländern offenbarten dies. Auch Verstöße gegen die Gurtpflicht sind häufig: 

Jeder dritte Fahrer greift erst zum Sicherheitsgurt, wenn der Wagen schon angerollt ist und nimmt auch erst während der Fahrt Einstellungen an Spiegel oder Sitz vor. 14 Prozent der Befragten richten zudem ihre Kleidung oder ihr Make-up, wenn der Wagen fährt. Auch die bereits erwähnten Streitigkeiten oder Gespräche im Wagen können als Ablenkung Gefahren bergen: Von den deutschen Autofahrern nannte ein Drittel der Befragten Streit als Ablenkungsgrund, in Österreich waren es sogar fast die Hälfte (47 Prozent). 

Jochen Haug, Vorstand Schaden bei der Allianz Deutschland, bezeichnete das Ergebnis als „nicht überraschend“. „Je vielfältiger die Technik und je komplexer deren Bedienung, desto höher ist die Ablenkung vom Straßenverkehr.“ Ein Unfallforscher des AZT, Dr. Jörg Kubitzki, erinnert Erwachsene an ihre Vorbildfunktion: „Eltern sollten sich im Klaren sein, dass sie mit ihrem eigenen Verhalten auch das Sicherheitsbewusstsein ihrer Kinder beeinflussen.“

Quelle: bild.de