Der Fall eines Rentners, der mit 30 km/h über die Autobahn schlich, hat die öffentliche Debatte um Fahreignungstest für alte Menschen erneut angefacht. Nicht ganz zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass Senioren statistisch gesehen mehr Unfälle verursachen als Fahranfänger, welche immerhin als Hochrisikogruppe gelten. Von daher verlangen Unfallforscher der deutschen Versicherer nun, dass auf lange Sicht verbindliche Testfahrten für ältere Semester eingeführt werden.

Der Plan sieht vor, dass derartige Kontrollen der Fahrbefähigung zunächst auf freiwilliger Basis erprobt werden sollen, um deren Akzeptanz zu testen. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), ergänzt: „Langfristig aber wird eine solche Kontrollfahrt zur Pflicht werden müssen. Die Wahrscheinlichkeit ist einfach zu groß, dass ältere Fahrer ihr Können zu positiv einschätzen und die Teilnahme deshalb verweigern.“ Bereits in diesem Jahr sollen bei der Unfallforschung des GDV Standards für entsprechende Testfahrten entwickelt werden.

Brockmann betont aber auch: „Niemand soll anschließend gezwungen werden, seinen Führerschein abzugeben.“ Soll heißen, dass die Ergebnisse der geplanten Testfahrten – die zwecks einer neutralen Rückmeldung im Beisein eines geschulten Begleiters erfolgen sollen – lediglich eine Empfehlung darstellen und vertraulich behandelt werden.

Gefährliche Senioren

Brockmann verweist auf aktuelle Unfallstatistiken, denen zufolge drei von vier Unfällen, an denen Autofahrer über 75 beteiligt seien, auf deren Konto gehen. Ein Wert, der höher ist als bei besagter Hochrisikogruppe der Fahranfänger. Zwar sei die absolute Zahl der Unfälle mit Senioren noch gering, angesichts der Tatsache, dass es aber immer mehr alte Menschen gebe, werde sich dies noch zu einem Problem entwickeln.

In eben jener demografischen Entwicklung ist allerdings wohl auch der Grund zu suchen, weshalb derartige Testfahrten bei uns nicht wie in vielen anderen europäischen Ländern schon längst Pflicht sind. Immerhin sind bereits jetzt gut ein Drittel aller Wahlberechtigten über 60, die Wahlbeteiligung in dieser der CDU/CSU zugeneigten Altersgruppe überdurchschnittlich hoch. Das erklärt womöglich auch, weshalb sich Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bisher kategorisch gegen verpflichtende Fahreignungsprüfungen ausspricht.

Quelle: spiegel.de