Eine neue Studie hat es in sich: 2015 zugelassene Neuwagen verbrauchten deutlich mehr als von den Unternehmen angegeben. Sage und schreibe bis zu 42 Prozent liegt der Verbrauch im Durchschnitt höher als dem Kunden zugesichert. Eine Kundentäuschung, die immer dreistere Züge annimmt. Dies bestätigte eine Untersuchung des Ökoforschungsinstituts ICCT mit über einer Million Fahrzeugen aus sieben Ländern und großflächiger Zusammenarbeit mit Autoverbänden, Straßentests aus Zeitungen, Leasing-Fimen und Verbrauchswebseiten. Das ICCT hatte damals bereits die Abgasmisere bei VW in den USA zutage gefördert. 

Dabei geht der Trend zu immer drastischeren Abweichungen bei den Werten: 2001 wichen die unter Laborbedingungen ermittelten Realwerte der Untersuchung um nur 9 Prozent von den Herstellerangaben ab, 1010 lag die Abweichung schon bei 23 Prozent. 2015 betrug der Unterschied ganze 42 Prozent. Doch woher stammt diese Kluft? „Das Problem sind die Spielräume, die das rechtlich bindende Testverfahren den Autoherstellern bietet“, so ADAC-Sprecherin Simone Wans gegenüber dem Kölner „Express“. „Dieser Zulassungstest findet auf einem Rollenprüfstand unter klinischen Bedingungen und nicht im Echtfahrmodus statt.“

Rechtliche Schritte nur schwer umsetzbar

Der ADAC fordert daher schärfere Bedingungen für Abgastests, um die Werte einander anzunähern, die Politik müsse Spielräume schließen, so Wans. Denn der erhöhte Verbrauch, den die Autohersteller mit ihren eigenen Angaben beschönigen, hat eine ökologische sowie eine wirtschaftliche Dimension: Der CO2-Ausstoß liegt deutlich höher als auf Basis des Verbrauchs errechnet, was der Umwelt schadet und den Fiskus um Millionen an auf diesem Messergebnis basierenden KFZ-Steuern bringt. Zudem greifen Autobesitzer so jährlich deutlich tiefer in die Tasche, als sie bislang annahmen: Durchschnittlich 450 Euro mehr im Jahr bezahlt laut ICCT-Berechnungen daher jeder für Kraftstoff.  

Der Verbraucher kann sich im Einzelfall nur schwer zur Wehr setzen gegen diese Art der Täuschung: „Unser deutsches Recht macht es für Verbraucher schwierig, wenn nicht gar unmöglich, etwaige Schäden einzuklagen. An dieser Stelle ist eindeutig die Politik gefordert, die Rechtslage entsprechend anzupassen“, kommentiert Simone Wans. Die Autoindustrie wiegelt indes ab, sie räumt die Unterschiede zwar ein, hält die Daten der Studie aber nur für bedingt belastbar, da sie aus Fremdmessungen ermittelt würde. Lediglich der Autohersteller Ford setzt sich für eine gesamteuropäische „Real Driving Emissions“-Initiative 2017 ein, um Abgaswerte unter Straßenbedingungen zu ermitteln.

Eine Liste von Fahrzeugen und deren Abweichungen findet ihr auf der nächsten Seite:

Quelle: Express