Autos können echte Spritfresser sein – allen Herstellerangaben zum Trotz: Im Schnitt verbrauchen Neuwagen 42 Prozent mehr Kraftstoff, als die Unternehmen angeben. Eine auffällige Differenz. Doch solchen Abweichungen will die EU künftig einen Riegel vorschieben. Leichte Nutzfahrzeuge sowie Autos sollen künftig direkt kontrolliert werden, wenn es nach Brüssel geht. Laut „Spiegel“-Informationen plant man, den Einbau von Spritverbrauchsmessgeräten 2020 zur Pflicht zu machen.

Dies wurde 2017 in einem Expertengremium der EU bereits mehrfach erwogen – viele Mitgliedstaaten hätten die Idee positiv aufgenommen, vermeldet die EU-Kommission. Mit dem Plan will man der klaffenden Lücke zwischen dem realen Verbrauch von Fahrzeugen und den Verbrauchsangaben der Hersteller einen Riegel vorschieben. Eine Studie der Umweltorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) hatte offenbart, dass Neuwagen durchschnittlich 42 Prozent mehr Kraftstoff verschlingen, als die herstellenden Unternehmen angeben.

EU-Kommissarin: Hersteller haben gelernt, zu manipulieren

Diese Diskrepanz betrug 2013 noch 25 Prozent. Ein neues Testverfahren, WLTP genannt (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure), ist seit September zwar in Gebrauch, doch die ICCT-Experten sind sich einig, dass auch die neue Methode die Kluft zwischen Herstellerangaben und Alltagsrealität nur halbieren wird. Darum die Verbrauchsmessgeräte, die sicherstellen sollen, dass die Angaben der Industrie sich nicht von dem Straßenverbrauch entfernen. Ab dem 1. Januar 2020 sollen diese Spritmesser in allen Neuzulassungen, ein Jahr später dann auch in allen Neuwagen verpflichtend eingebaut werden.

Eine EU-Kommissionsbeamtin zu den Plänen: „Die Hersteller haben in der Vergangenheit gelernt, die Tests zu manipulieren. […] Wir müssen aufpassen, dass das beim WLTP-Verfahren nicht wieder passiert.“ Zugleich würden diese Geräte somit auch eine Kontrolle der CO2-Emissionen erlauben, da diese an den Spritverbrauch gekoppelt seien. So würden die Verbrauchsmesser gestatten, ein „klares Bild“ des Straßenalltags zu zeichnen. 2018 sollen die EU-Mitgliedsländer sich über den Vorschlag für verbindliche Spritverbrauchsmesser beraten. Ende 2018 soll dann eine definitive Entscheidung fallen.

Dem Endverbraucher sollen durch diese Entscheidung keine Mehrkosten seitens der Unternehmen drohen und er soll höhere Transparenz genießen. Lediglich eine Anpassung der Kfz-Steuer für Neuzulassungen auf Basis tatsächlich errechneter CO2-Werte könnte die Folge sein. Für heutige, nach dem alten NEFZ-Standard zugelassene Wagen würde sich nichts ändern, hier bliebe die Steuer gleich.

Quelle: spiegel.de