„Richtig dramatisch“: Tankstellen-Betreiber sehen Sprit-Rabatt skeptisch – Der kommenden Senkung des Spritpreises durch den Tankrabatt der Politik zum 1. Juni sehen wohl einige Autofahrer wohlwollend entgegen. Für lange Zeit kletterten die Kraftstoff-Preise nach oben, statt wieder herunter. Tankstellen-Betreiber schätzen die Sachlage allerdings anders ein. In der Branche wird mit einer „richtig dramatischen“ Lage gerechnet, wenn der Rabatt kommt, so ein Verbandssprecher.

Dies geht aus einem Bericht von „Tag 24“ bei „MSN“ hervor: Seit der Bekanntmachung eines kommenden Tankrabatts stagnieren die Kraftstoffpreise im Moment – in rund 20 Tagen gilt dann der Preisnachlass durch die Politik. Der Vorsitzende des Bundesverbands Freier Tankstellen (bft), Duraid El Obeid, erläuterte in der „WirtschaftsWoche“, „vor allem der 1. Juni könnte richtig dramatisch werden.“

Doch nicht die zu erwartenden Abrechnungsänderungen bereiten dem Verband Sorgen:

Vielmehr sind es die möglichen Massen an Kunden, die für Skepsis sorgen: Benzin, Diesel sowie Gase werden an einem Tag schlagartig günstiger. Daher gehen die Betreiber davon aus, dass gegen Mai-Ende weniger abgenommen wird, dafür aber ab dem 1. Juni ein wahrer Run auf Kraftstoffe losgehen könnte, den El Obeid als „historisch“ bezeichnete. Sein Fazit: „In dieser Zeit brauchen alle Tankstellen noch mehr Kraftstoff.“ El Obeid betreibt 140 Tankstellen in der Bundesrepublik, insbesondere in Berlin, Brandenburg und Sachsen.

Unter den Marken „Sprint“ und „GO“ handelt er mit Kraftstoff, erläutert, dass die Händler selbst nicht über unbegrenzte Ressourcen verfügen und es daher bereits jetzt schwierig sei, spontan mehr Kraftstoff zu ordern. Eine Lage, welche vor allem die oftmals selbstständigen Betreiber kleinerer Tankstellen in eine Zwangslage bringen könnte: „Ohne Einkaufsmacht sind sie darauf angewiesen, was sie am Markt bekommen können“, so der Verbandsvorsitzende.

Große Ketten bereiten sich auf Run vor

Angesichts großer Ketten, welche sich für den Run Anfang Juni bereitmachen, wird viel Kraftstoff nicht übrigbleiben, wie Duraid El Obeid bestätigt: „Das könnte die Tankstellenbetreiber doch sehr unter Druck setzen.“ Seiner Einschätzung nach droht eine Situation, dass kleinere Unternehmer möglicherweise „nicht ausreichend oder nicht rechtzeitig Mineralöl auf dem Markt werden einkaufen können“. Der Verbandsvorsitzende weiter:

„Ob sie dann gar kein Benzin oder Diesel mehr anbieten können? Das weiß man nicht.“ Eine mögliche Folge: „Sie würden dann sicher die Preise anheben.“ Wurden die Preise angehoben und die Leute greifen dennoch zur Zapfpistole, so droht Ebbe in den Bodentanks der Filialen. El Obeid zufolge werde dies aber seines Erachtens nicht nur freie Tankstellen treffen. Der Kraftstoffexperte rechnet in der „WirtschaftsWoche“ zudem damit, dass die Preise bald wieder auf etwa 2,20 Euro pro Liter Benzin klettern könnten.

Es würde sich demnach auch auf den Preis auswirken, sollte der Sprit nicht mehr über Pipelines, sondern mit dem Zug oder Schiffen geliefert werden.

Ende März stellte Christian Lindner (FDP) den Preisnachlass für das Tanken vor, welcher ab dem 1. Juni befristet auf drei Monate gilt. Benzin wird dann rund 30 Cent billiger, der Preis für Diesel sinkt um rund 14 Cent. Bei Erdgas CNG/LNG) sinkt er um 4,54 Euro/MWh bzw. etwa 6,16 Cent je Kilo, bei Flüssiggas (LPG) um 238,94 Euro pro Tonne beziehungsweise rund 12,66 Cent je Liter.

Quelle: msn.com