Sommerzeit, Reisezeit. Doch warum nicht mal das Angenehme mit dem Hobby verbinden und den Oldtimer dazu nutzen? Denn der macht den Weg zum Ziel – bedeutet aber auch etwas Mehraufwand.

Mit dem 1978er Mercedes 123 Coupé an den Comer See, statt mit dem neuzeitlichen Diesel-Kombi? Mit dem Ascona-A in die namensgebende Stadt in der Schweiz? Oder vielleicht mit dem sorgsam gehegten Ford-Pickup an die französische Atlantikküste? Mit dem Oldtimer in den Urlaub fahren hat eine ganz eigene Romantik. Doch man muss auch sorgfältiger sein – sowohl bei der Vorbereitung als auch der Fahrt. Der folgende Artikel zeigt, wie es geht. 

Warum mit dem Oldtimer?

Viele Oldie-Besitzer stecken Zeit, Herzblut und auch Geld in ihr Schätzchen – immerhin beträgt der Oldtimer-Durchschnittswert fast 20000 Euro und ist damit nicht weit vom durchschnittlichen Neuwagenpreis entfernt. Doch warum sollte man die Annehmlichkeiten moderner Autos zuhause lassen und mit einem 30, 40 oder vielleicht noch mehr Jahre alten Auto hunderte Kilometer in den Urlaub fahren, es Unfall- und sonstigen Risiken aussetzen? Selbst eingefleischte Oldie-Fahrer stellen sich diese Frage und finden oft keine Antwort.

Dabei ist sie ganz einfach: Ein Oldtimer-Urlaub ist magisch:

  • Es ist ein gelebter Vergangenheitstrip in die Zeiten von Drehknopf-Radios und Mamas Butterbroten
  • Es ermöglicht, den Oldtimer und seine Charakteristika viel besser kennenzulernen, als bei kurzen Wochenendausfahrten im Umland 
  • Die Urlaubsfahrt wird entspannter, frei nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“.

Der letzte Punkt betrifft die Technik-Attitüde: Jedes Auto, ob nun Brot-und-Butter Kadett oder Pagoden-Benz, wurde zum Fahren gebaut – nicht um in einer Garage zu stehen. 

Fahrkomfort

Wer in den 90ern oder noch früher mit einem damaligen Oldtimer in die Ferien starten wollte, musste gewaltige Abstriche machen, denn was damals als Oldtimer galt, wurde kurz nach oder sogar vor dem Krieg erbaut und ließ vieles von dem vermissen, was nur kurze Zeit später in den Fahrzeugbau Einzug hielt. Heute indes können sich schon Besitzer von 1987 gebauten Autos auf das H-Kennzeichen bewerben – und diesen Wagen fehlt nur sehr wenig von dem, was heute Komfort und Fahrsicherheit ausmacht:

  • Dreipunktgurte gibt es seit 1961, seit 1976 gibt es in Deutschland die Gurtpflicht
  • 1967 kam die erste elektronische Einspritzung in den Fahrzeugbau
  • ABS kam 1978 auf den Markt
  • Airbags konnten ab 1980 geordert werden
  • 1985 wurden geregelte Katalysatoren Standard

Bedenkt man noch, dass Fensterheber, Klimaanlagen und andere Komfort-Gadgets ebenfalls schon damals erhältlich waren und vor allem auch in Sachen Fahrwerk und Bremsen ähnliche Technik Standard war, erfordern die heutigen „modernen“ Oldtimer nur wenig Umdenken im Gegensatz zu früher. Dabei gilt jedoch: Je älter ein Fahrzeug ist, desto mehr sollten sich alle Mitreisenden bewusst sein (nicht nur der Fahrer, der seinen Oldie auswendig kennt), dass der Trip sich ganz anders anfühlen wird, als mit einem Auto aus diesem Jahrtausend.

Achtung Versicherung & Zulassung

Der erste Dämpfer muss allerdings vor der Abreise abgeklärt werden. Wer seinen Oldtimer explizit als Oldtimer versichert hat, muss einen Blick in die Police werfen. Viele Oldie-Versicherer schreiben nämlich maximale Jahresfahrtdistanzen vor, meist um 5000 Kilometer. Im Urlaub kommen spielend weit über tausend zusammen, man sollte also genau rechnen, ob noch genug Kilometer übrig sind – sonst ist Nachzahlen angesagt und wer die erhöhte Laufleistung verschweigt, kann im Schadensfall auch richtig Ärger bekommen. Gibt die Versicherung grünes Licht, sollte man sich zudem eine grüne (internationale) Versicherungskarte geben lassen, damit im Fall der Fälle im Ausland der Versicherungsschutz nachgewiesen werden kann
Ein weiterer Aufmerksamkeitspunkt betrifft die Zulassung: Oldtimer mit H-Kennzeichen können problemlos im Ausland bewegt werden. Dieses Kennzeichen wird in allen EU-Ländern anerkannt. Anders sieht es jedoch beim roten 07er-Kennzeichen aus. Denn da gibt es gleich zwei große Hürden:

  1. Das 07er-Kennzeichen ist keine Zulassung im eigentlichen Sinn, denn es ist ein Wechselkennzeichen, das auf bis zu zehn Fahrzeugen montiert werden darf. Deshalb wird es mitunter im Ausland nicht anerkannt
  2. Schwerer wiegt jedoch die „Grundbedingung“ dieses Kennzeichens: Es sind nur Fahrten zu Oldtimer-Veranstaltungen, in Werkstätten sowie Prüf- und Einstellfahrten erlaubt. Reine Urlaubsfahrten ohne besonderen Oldie-Bezug gehören nicht dazu

Und der Zwang, Fahrtenbücher zu führen, macht auch ein Schummeln nicht nur schwer, sondern auch leicht aufdeckbar. Es gibt jedoch Optionen: Ein Oldtimertreffen in der bevorzugten Urlaubsregion suchen und im betreffenden Zeitraum dorthin fahren. 

Kein Oldie-Bonus im Ausland

Wer einen Oldtimer fährt, der aus dem heutigen Straßenbild verschwunden ist, weiß, dass ihm anerkennendes Lächeln und freundliches Winken an vielen Orten begegnen wird – das ist im Ausland nicht anders. Doch das ist leider der einzige Oldie-Bonus, denn bei den meisten anderen Punkten wird das Schätzchen als normales Auto angesehen:

  • In keinem der europäischen Länder, die Straßenmauten erheben, also Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Ungarn, Spanien, Slowenien und Tschechien, gibt es eine irgendwie geartete Sonderklausel für Altfahrzeuge. Man bezahlt die normalen Mautgebühren.
  • Ähnlich sieht es in den Umweltzonen unserer Nachbarländer aus. Lediglich in Antwerpen kann man, wenn der Oldie über 40 Jahre alt ist, eine Ausnahmegenehmigung beantragen.
  • Auch die Mitführpflichten werden überall gleich gehandhabt. Dabei gilt: Wer Verbandskasten, Warndreieck und für jeden eingetragenen Sitzplatz (nicht nur für die Mitfahrer) eine Warnweste mitführt, bekommt praktisch nirgendwo Probleme.

Einen Bonus gibt es jedoch. Alles, was in Deutschland für den Oldtimer eingetragen und zugelassen wurde, hat unbeschränkte Gültigkeit im EU-Ausland. Bei nicht eingetragenen Teilen, die aber mit ABE gültig sind, sollten natürlich die Unterlagen dabei sein. Im Zweifelsfall gilt aber: Sich nicht mit Streifenpolizisten herumstreiten, sondern auf einen Dolmetscher und einen Sachverständigen bestehen. Beides ist das gute Recht eines EU-Bürgers auch im Ausland.  

Stichwort Diebstahlschutz

Oldtimer sind selten, Oldtimer sind wertvoll – und sie haben meist keine der elektronischen Wunderwerke, die es in heutigen Autos Kriminellen schwer machen. Ganz im Gegenteil, alle typischen Tricks wie der Draht, der den Türknopf anhebt, stammen aus der Oldtimer-Zeit und funktionieren leider bei diesen Autos besonders gut. 

Das bedeutet, man muss seinen Oldie aufrüsten, um ihn zu schützen. Eine hochwertige Lenkradkralle sollte dabei Standard sein, denn sie ist zwar nicht „unknackbar“, verlängert aber deutlich die Zeit, die Diebe benötigen. Viel besser und von jeder Werkstatt schnell installiert sind jedoch versteckte Schalter, die die Benzinzufuhr oder gleich die gesamte Fahrzeugelektrik lahmlegen. 

Eine zeitgenössische Zusatzhilfe, die auch dann noch nützt, wenn der Oldie tatsächlich entwendet wurde, sind zudem GPS-Tracker. Diese Geräte sind klein, lassen sich sehr unauffällig verbauen und senden kontinuierlich ein GPS-Signal, das nachverfolgt werden kann. Allerdings sollte man dabei nicht zögern: Professionelle Oldtimerdiebe kennen diese Geräte auch und sorgen dafür, dass der Wagen alsbald in einem mit Abschirmung ausgekleideten LKW verschwindet. 

Der beste Schutz ist jedoch der, den Oldie nie unbewacht zu parken und keine Wertgegenstände darin liegen zu lassen. 

Und die Technik?

Mindestens 30 Jahre hat ein Oldtimer auf den Achsen. Genug Zeit, damit sich unbemerkt Rost einnisten kann, Schläuche langsam verrotten oder die Ummantelung von Kabeln sich auflöst. Und das Problem daran ist, dass solche Schäden meist nicht auf der 20-Kilometer-Sonntagstour auftreten, sondern erst, wenn das Auto eine längere Strecke bewegt wird. 

Aus diesem Grund sollten Oldies schon vor dem Urlaub noch etwas mehr Beachtung bekommen als normalerweise. Und man sollte auch nicht blind losfahren. 

  • Die meisten Oldie-Besitzer, selbst die, die selbst schrauben, haben eine Werkstatt ihres Vertrauens. Diese sollte den Oldtimer vor der Reise mit der Maßgabe „muss viele hundert Kilometer ableisten“ gründlich durchchecken. Das gilt insbesondere für problematische Teile wie Zahnriemen, Achslager usw., die bei Ausfall den ganzen Trip ruinieren können sowie natürlich auch die normalen Verschleißteile wie Bremsen und diverse Filter. 
  • Viele Oldies benötigen Bleiersatz-Additiv, damit der Motor läuft. Verbleites Benzin gibt es in der EU jedoch nirgendwo mehr. Das Additiv wird allerdings auch nicht überall verkauft. Ein ausreichender Vorrat sollte deshalb in jedem Fall mit Auf die Reise gehen, damit das Antriebsaggregat keinen Schaden nimmt.
  • Oldtimer-Ersatzteile haben die unangenehme Eigenschaft, dass man sie nur unter erschwerten Bedingungen bekommt und erst recht nicht mitten im Urlaub im Hinterland. Vor Fahrtantritt sollte also ein kleines Ersatzteilpaket aus potenziell ausfallträchtigen Teilen geschnürt werden, die man im Urlaub garantiert nicht an der Theke des Markenhändlers erwerben kann. Dazu gehören Bremsbeläge, exotische Öle und Filter, Kühlerschläuche und bei Cabrios ist ein Reparaturset fürs Dach auch empfehlenswert. 

Überdies sollte man auch im Urlaub etwas umdenken. Sprich, nicht morgens einfach einsteigen, den Motor starten und die Tagestour beginnen, sondern sich täglich ein paar Minuten Zeit nehmen. Den Ölstand sachgerecht kontrollieren, einen taschenlampenbewehrten Blick unters Auto wagen und auf Lecks achten sowie auch einen schnellen Blick auf die Füllstände von Kühl- und Scheibenwischwasser sowie Bremsflüssigkeit werfen. Dauert keine zehn Minuten, verhindert aber, dass einem unterwegs irgendein Malheur passiert, das daraus resultiert, dass der gepflegte Oldie zum ersten Mal seit vielen Jahren wirklich etwas leisten muss und das schlimmstenfalls den ganzen Urlaub ruiniert. 

Übrigens haben ADAC-Plus-Mitglieder einen Service inkludiert, von dem viele nichts wissen, der aber gerade beim Oldtimer im Fall der Fälle urlaubsrettend sein kann: Der Ersatzteileversand ins europäische Ausland (gilt nicht in Deutschland). Im Schadensfall besorgt der Automobilclub also das betreffende Teil, das sich vor Ort nicht organisieren lässt und schickt es kostenlos an den Urlausort. Man selbst zahlt nur die Materialkosten. 

Fazit

Mit dem Oldtimer in den Urlaub zu fahren, ist selbst dann eine Reise in die Vergangenheit, wenn um einen herum nur moderne Fahrzeuge auf Autostrada und Co. unterwegs sind. Allerdings sollte man sich auch dementsprechend verhalten und respektieren, dass der Oldtimer 30 und mehr Jahre alt ist. Wer dann gemütlich in die schönsten Tage der Wochen cruist und sich täglich etwas Zeit für den fahrbaren Untersatz nimmt, wird viele Gefühle aus der Kindheit wiederbeleben können und Urlaub mit „neuen alten“ Augen buchstäblich erfahren.