Preise steigen unaufhörlich: Gebrauchtwagen werden immer teurer – Im Zuge der anhaltenden Chipkrise müssen die Autobauer haushalten. Was an Halbleitern da ist, wird bevorzugt den zukunftsträchtigen E-Autos zugeteilt, weshalb der Mangel im Sektor der Verbrenner umso deutlicher zu spüren ist. Neuwagenkäufer müssen mit entsprechend langen Lieferzeiten rechnen, wenn sie denn überhaupt das Modell ihrer Wahl ergattern können.

Dieser Umstand fällt auf den Gebrauchtmarkt zurück.

Anstatt monatelang, zum Teil sogar bis zu einem Jahr, auf einen Neuen warten zu müssen, greifen viele Kunden dann doch lieber zu einem Gebrauchten mit geringer Laufzeit. Die dadurch entstandene Nachfrage treibt die Preise. Bei spürbar kleinerem Angebot legten diese bei besonders beliebten Modelle um bis zu 30 Prozent zu.

Laut der Onlinebörse „AutoScout24“ kletterten die Preise im abgelaufenen Jahr europaweit um acht Prozent, während das Angebot um elf Prozent zurückging.

Diese Zahlen bilden das Geschehen jedoch beschönigt ab.

Denn extrem alte und sehr billige Wagen sind kaum teurer geworden, während neue und beliebte Modelle immer unerschwinglicher werden. So ist der Preis für einen Golf beispielsweise in nur einem Jahr um 21 Prozent in die Höhe geschossen.

Dr. Michael Luhnen, Vertriebschef bei „AutoScout24“ erklärt: „Der Blick auf die europäischen Märkte zeigt ein ähnliches Bild wie der auf Deutschland: Die Preise steigen im zweistelligen Prozentbereich, während das Angebot europaweit sinkt.“

Und weiter: „Aufgrund der Pandemie bevorzugen Verbraucher europaweit verstärkt das Auto gegenüber dem öffentlichen Nahverkehr. Die steigende Nachfrage trifft dabei auf ein reduziertes Angebot, denn durch den Halbleitermangel stehen oder standen derzeit viele Fabriken still. Wer sich eigentlich einen Neuwagen kaufen wollte, weicht zunehmend auf Gebrauchte aus.“

Ähnlich sieht es bei „Mobile.de“ aus, wo die Preise bei den Modellen der Kleinwagen-, Kompakt- und Mittelklasse um mehr als 25 Prozent stiegen.

„Den andauernden Preisaufwärtstrend können wir auf die nach wie vor angespannte Lage im Neuwagenmarkt zurückführen“, resümiert Martin Fräder, Head of Sales bei Mobile.de.

„Allerdings sehen wir auch, dass die Laufleistungen über alle Segmente hinweg seit Juli 2021 rückläufig sind. Zudem ist das Durchschnittsalter im Jahresvergleich um 5,6 Prozent gesunken. Und weniger gefahrene Kilometer sowie ein jüngeres Alter machen sich vermutlich auch in höheren Preisen bemerkbar.“

Bis auf den Rat, seinen Alten noch etwas länger zu fahren, gibt es derzeit keinen wirklichen Lösungsansatz für Kunden. Allerdings wird dies zu einer weiteren Verknappung des Marktes für junge Gebrauchte führen, was die Preisspirale letzten Endes nur noch weiter antreibt.

Quelle: stern.de