Wer kennt die Situation nicht: Aus irgendeinem Grund gerät man mit dem deutschen Bürokratie-Apparat aneinander, muss ein Knöllchen zahlen, eine Strafgebühr für irgendetwas entrichten oder streitet sich mit einem Polizisten. „Nun stellen Sie sich mal nicht so an!“, entfährt es einem da schon mal, wenn einem etwas arg kleinlich und beamtisch vorkommt. Dabei hätte der Kerl aus diesem Video-Bericht wirklich allen Grund, sich darüber zu beschweren. Der sollte nämlich Strafe zahlen, weil er – festhalten! – 1 km/h (in Worten: einen) zu „schnell“ gefahren war.

Die Situation trug sich in Alberta, Kanada zu: Mathieu Gagne fuhr, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung haltend, auf einer zweispurigen Straße hinter einem Polizeiwagen – weil dieser noch weitaus langsamer fuhr, setzte Mathieu zum Überholen an. Keine gute Idee: Der Mann wurde sofort von dem Beamten rausgewunken und erhielt ein Strafmandat. Der Grund: Er war genau 1 km/h zu schnell gefahren. Woher der Polizist dies wusste? Der Mann hatte geschätzt. Nicht der aus deutscher Sicht lächerliche, angekreidete Übertritt von 1 km/h erhitzt dabei die Gemüter der Amerikaner.

Vielmehr geht es darum, dass auf dem Strafmandat von einer Radar- oder Lasermessung die Rede ist, diese aber nie stattgefunden hat. Denn der Strafzettel hätte in einer Gebühr von 78 kanadischen Dollar sowie Strafpunkten für Mathieu gemündet. Hätte. Seine Freundin machte ihrem Unmut über eine solche Korinthenkackerei in den sozialen Netzwerken Luft und sorgte auf Facebook für rege Aufmerksamkeit, Tausende teilten und kommentierten ihr Posting. Auf diese Weise wurde wohl auch ein Verkehrsrichter aus dem verantwortlichen Landkreis, Sturgeon County, auf die Situation aufmerksam.

Nur zwei Tage später erhielt Mathieu einen Anruf, der Strafzettel wurde zurückgezogen: „Bei eingehender Auseinandersetzung wurde deutlich, dass die Geschwindigkeit vom verantwortlichen Beamten nur geschätzt, nicht aber per Radar oder Laser gemessen wurde, wie auf dem Strafmandat angegeben“, so Amtssprecher Gewen Wolansky. Üuh, nochmal Glück gehabt. Andererseits ist so natürlich ein möglicher Temposünder und eine echte Gefahr für die Menschheit straffrei davongekommen …