Mit Blick auf den Bedarf an Kraft- und Brennstoff wirken gesetzte Klimaziele utopisch und werden nur selten, wenn überhaupt erreicht. Laut einer kürzlich in Berlin vorgestellten Studie der Prognos AG wäre dies jedoch durchaus möglich, sofern flüssige Energieträger wie Benzin, Diesel, Kerosin und Heizöl in Zukunft nicht mehr aus Erdöl hergestellt würden. Begänne man umgehend damit, entsprechende Forschungs- und Entwicklungskapazitäten aufzubauen und einen allmählichen, aber stetigen Markthochlauf anzustreben, könne man bis 2050 Treib- und Kraftstoffe auf erneuerbare Energien umstellen. Und das sogar zu vertretbaren Kosten und wettbewerbsfähigen Preisen.

Das wird auch nötig sein, wenn man bedenkt, dass in Deutschland rund 98 Prozent der Antriebsenergie im Verkehrssektor und etwa 22 Prozent der Heizenergie mit flüssigen Kraft- und Brennstoffen erzeugt werden. Nicht zu vergessen die Chemie-Industrie, welche rund drei Viertel ihres organischen Rohstoffbedarfs mit Mineralöl deckt.

„Verbraucher und wichtige Wirtschaftsbereiche werden auch künftig flüssige Energieträger benötigen“, erklärt Jens Hobohm von Prognos. Um den Bedarf zu decken gilt es von daher, bis 2050 rund 60 Millionen Tonnen klassischer Raffinerieprodukte durch die sogenannten E-Fuels zu ersetzen. Das bringe den Vorteil mit sich, dass die bestehende Infrastruktur aus Pipelines, Tanklagern, Heizöltanks, Tankstellen weiterhin genutzt werden könne.

Ambitionierte Ziele

Unter der Voraussetzung, dass ein großindustrieller Einstieg in die Technologie stattfände, könnten, laut Hobohm, synthetische Kraftstoffe aus heutiger Sicht zu Kosten zwischen 70 Cent und 1,30 Euro je Liter erzeugt werden. Allerdings stehen bisher lediglich verhältnismäßig kleine Anlagen mit Jahreskapazitäten von 10.000 Tonnen auf der Agenda.

Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) hält die Ziele für extrem ambitioniert und weist darauf hin, dass enorm viel Strom aus erneuerbaren Quellen notwendig sei, um die benötigten Mengen flüssiger Kraftstoffe bereitzustellen. Von daher ist davon auszugehen, dass die Produkte letzten Endes in wind- und sonnenreichen Ländern produziert und anschließend in die Verbrauchsländer exportiert werden.

Bei dem Verfahren zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe wird Wasserstoff und Kohlenstoff – letzterer lässt sich aus der Luft oder aus Biomasse gewinnen – mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen in einen flüssigen Energieträger umgewandelt, ohne dass dabei Rohöl als Ausgangsstoff benötigt wird. Nicht minder vorteilhaft ist freilich, dass derart erzeugte Kraftstoffe deutlich CO2-ärmer verbrennen als herkömmlicher Sprit.

Quelle: businessinsider.de