Hach ja, diese Sache mit dem Karma. Gibt es die kosmische Energie wirklich? Irgendeine Form astraler Judikative, die von oben herab entscheidet, was falsch und was richtig ist? Und wenn sie schon gerade dabei ist, auch gleiche irgendeine Form der Bestrafung hinterherschickt? Vermutlich nicht, denn sonst wäre diese Welt nicht so am Arsch. Aber als Pointe einer alltäglichen Situation, in der einem Bösewicht Gerechtigkeit widerfährt, macht sie einen guten Job.

Im englischen und digitalen Sprachgebrauch wird dies als „Instant Karma“ bezeichnet. Stoßt ihr also im Netz auf einen Clip, dessen Titel „Instant Karma“ enthält, seht ihr entweder ein Musikvideo von John Lennon oder könnt steil davon ausgehen, dass darin jemand eine Schurkerei begeht, und in der Folge durch eben jene Missetat vom Schicksal gewaltig was aufs Maul bekommt. Ein Filmmotiv, so alt wie das Medium selbst, und immer wieder schön.

Prominente Beispiele sind zum Beispiel der Katzenbesitzer, der sein Tier mit Tritten fortscheucht, welches bei der Flucht über eine Treppe jedoch eine Vase umstößt, die dem Tierquäler auf den Kopf kracht. Oder der Autofahrer, der einem Stau über den Standstreifen zu entgehen versucht und der Polizei dabei direkt in die Arme gerät.

Der Straßenverkehr ist generell ein dankbares Setting für „Instant Karma“-Clips. Und so werden wir auch im folgenden Zeuge, wie sich das ursprünglich aus dem Hinduismus oder Buddhismus stammende spirituelle Konzept abermals eines aggressiven Autofahrers annimmt. Jener ist recht flott in einem schmutzigen Mazda unterwegs, überholt freimütig rechts (was in vielen amerikanischen Bundesstaaten übrigens erlaubt ist) und links, und schneidet dann urplötzlich und vollkommen grundlos einen weißen VW.

Jener hupt, zu Recht erbost, und setzt sich mit einem seinerseits via Blinker korrekt angekündigten Spurwechsel wieder neben den Mazda. Der wiederum scheint nun abgelenkt, schnallt er doch nicht rechtzeitig, dass da ein Radlader die Straße kreuzt, und sieht sich in der Folge zu einem weiteren abrupten Spurenwechsel nach rechts gezwungen. Dort ist allerdings nur noch die Pampa einer Baustelle. Und in genau der landet er nun.