Wer am Steuer das Handy zückt, rast, oder das Thema Rettungsgasse bislang nicht ernstgenommen hat, wird umdenken müssen. Denn nun werden Verkehrssünden mit höheren Strafen geahndet. Seit Donnerstag sind Änderungen in der Straßenverkehrsordnung in Kraft, die unter anderem die Telefonnutzung bei der Fahrzeugführung zu einem teuren Vergnügen machen. Wer Rettungskräfte und Polizei im Straßenverkehr behindert, wird ebenfalls stärker zur Kasse gebeten.

Galten früher noch Alkoholkonsum oder Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit als größte Verkehrsrisiken, zeigen neueste Erkenntnisse aus der Unfallforschung sowie die Erfahrungen von Rettungskräften, dass neben der Behinderung durch Gaffer und unbelehrbare Autofahrer vor allem die Ablenkung durch technische Geräte eine Hauptursache für schwerwiegende Unfälle ist. So betont der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR): „Um Menschenleben nach einem Verkehrsunfall zu retten und Unfallopfer zu versorgen, kommt es auf jede Sekunde an.“

Hier die Neuerungen im Gesetzeskatalog im Überblick:

Smartphone: Handyverstöße am Steuer schlagen nun mit 100 statt bisher 60 Euro zu Buche und bringen immer noch einen Punkt in Flensburg ein. Sollte durch das Hantieren mit dem Smartphone ein Unfall mit Sachschaden ausgelöst werden, hagelt es zwei Punkte sowie 200 Euro Strafe. War zuvor nur von Mobil- und Autotelefonen die Rede, werden jetzt auch Tablets und Laptops von diesem Gesetz erfasst. Das Smartphone und diese Geräte dürfen nur bei ausgeschaltetem Motor verwendet werden, ein durch Start-Stopp-Automatik abgeschaltetes Fahrzeug gilt nicht. Radfahrer mit Smartphone in der Hand berappen nun 55 statt 25 Euro.

Rettungsgasse: Wer im Stau oder bei stockendem Verkehr keine Rettungsgasse bildet, darf 200 Euro statt der früher üblichen 20 Euro hinblättern. In besonders schwerwiegenden Fällen drohen 320 Euro Strafe sowie ein Monat Fahrverbot. Auch unabhängig von der Rettungsgasse gilt: Einsatzwagen von Polizei und Rettungsdiensten ist unverzüglich freie Bahn zu machen – wer dem nicht nachkommt, wird mit 240 Euro Strafe belangt.

Vermummung: Beim Führen eines Kfz muss laut Gesetzgeber das Gesicht des Fahrers deutlich erkennbar sein, es darf weder verdeckt noch verhüllt werden. Verstöße hiergegen werden mit 60 Euro geahndet, lediglich Motorrad- und Rollerfahrer sind wegen der Helmpflicht ausgenommen.

Straßenrennen: Für die Organisation solcher Rennen sowie der Teilnahme daran drohen bis zu zwei Jahren Haft – zehn Jahre werden es, wenn jemand bei einem solchen Rennen schwer verletzt oder gar getötet wird. Hierfür wurde extra ein neuer Straftatbestand eingeführt, früher galten solche Rennen als Ordnungswidrigkeit und wurden mit 400 Euro Bußgeld sowie einem Monat Fahrverbot geahndet. Bereits der Versuch, ein solches Rennen zu organisieren, wird nun schon hart bestraft, außerdem können Fahrzeuge beschlagnahmt werden.

Quelle: spiegel.de