Für Autos gesperrt: Hannover macht aus Straßen Spielplätze – In Hannover macht man in Sachen „autofreie City“ nun ernst. Zumindest zeitweilig werden dort im Rahmen eines Verkehrswende-Experiments mehrere Straßen für Autos gesperrt und in Fußgängerzonen umfunktioniert.

Konkret sind seit Montag eine mehrspurige Straße am Hauptbahnhof sowie weitere Straßen in der Altstadt für den Autoverkehr vorerst tabu. Der dadurch gewonnen öffentliche Raum soll Kindern, Hobbysportlern und der Kultur zugutekommen. Dazu sollen auf den freigewordenen Flächen neben einem Jugendzentrum auch eine Skate-Anlage und ein Beachtennis-Platz entstehen. Darüber hinaus ist sogar ein Theaterfestival geplant.

Der Versuch soll zeigen, ob sich mit einer solchen Maßnahme die Lebensqualität steigern lässt

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) setzt mit dieser Aktion eines seiner Wahlversprechen um, nachdem dieser im Herbst 2019 die Stichwahl gegen einen Kandidaten der CDU mit 53 Prozent der Stimmen für sich entscheiden konnte.

Im Vorfeld hatte das auf eine begrenzte Zeit angelegte Experiment für Streit unter den Lokalpolitikern gesorgt. Von Seiten der CDU war Kritik laut geworden, dass man nicht alle Interessen ausreichend berücksichtig habe.

So habe sich Onay nicht im nötigen Maße mit den städtischen Akteuren abgestimmt, befürchten doch etwa die Einzelhändler nun Umsatzeinbußen, da die Kundschaft nicht mehr mit dem Auto vorfahren kann. Niedersachsens CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer wetterte:

„Die Performance, die Herr Onay hier derzeit bietet, ist peinlich.“

Gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen“ erklärte er, „kurz davor“ zu sein, den Rücktritt des Oberbürgermeisters zu fordern. Ihm zufolge sei die Umsetzung der sogenannten Experimentierräume stümperhaft verlaufen. So seien die Sperranlagen für den Autoverkehr bereits vergangene Woche schrittweise aufgebaut worden, was zum Teil Staus nach sich zog.

Ähnlich geartete Überlegungen, den öffentlichen Raum neu zu organisieren, gibt es auch in anderen Großstäten wie Berlin, München oder Köln. Immerhin gilt es lokale Klimaziele zu erreichen. Doch auch die Zahl der Verkehrsunfälle könnte so reduziert und die Aufenthaltsqualität in der City verbessert werden.

Dabei wird von einer Stadtmaut bis zu autofreien Zonen über verschiedenen Modelle der Verkehrslenkung debattiert.

Quelle: spiegel.de