Im schwedischen Stockholm wird ein System erprobt, dass im Auto die Musiklautstärke herunterregelt oder unterbricht und dem Fahrer außerdem eine gesprochene Audionachricht sendet, wenn sich ein Rettungs- oder Einsatzfahrzeug mit laufender Sirene nähert. Denn wer beim Autofahren gern extrem laute Musik hört, gerät zwangsläufig irgendwann in eine Situation, in der er nicht mehr mitbekommt, was im Verkehr um ihn passiert.  Dann erschreckt man sich schon mal, wenn „wie aus dem Nichts“ von irgendwo ein Kranken- oder Polizeiwagen mit Sirene angerauscht kommt, den man vorher nicht gehört hat. Eine gefährliche Situation, die Unfälle hervorrufen kann.

Das in Stockholm in der Probephase befindliche System regelt in so einem Fall automatisch Radio, CD-Player und Bluetooth-Geräte herunter. Zugleich erfolgt eine entsprechende Voice-Nachricht, die Fahrer vor dem sich nähernden Rettungseinsatz frühzeitig warnt. Das System funktioniert über das FM-Funkband und wird von allen moderneren Autoradios empfangen, die über die sogenannte RDS-Technologie (Radio Data System) verfügen. Drei Studenten der Königlich Technischen Hochschule Stockholm haben diese ebenso einfache wie geniale Idee ersonnen. Sie nennen ihr System EVAM und haben das Projekt zur Unfallvermeidung direkt in ein Start-up verwandelt.

Frühwarnung auch für Ersthelfer

Fahrern bleiben oft nur wenige Sekunden, um zu reagieren und Rettungsfahrzeugen Platz zu machen. Die optimale Warnzeit liegt aber bei 10 bis 15 Sekunden“, so Mikael Emeberg, einer der drei Gründer. In Stockholm wird das System zu Testzwecken im ersten Quartal dieses Jahres in ausgewählten Rettungswagen erprobt. Im Gegensatz zu handelsüblichen Sirenen „erspürt“ EVAM anhand der Verkehrslage, inwieweit eine frühzeitige Warnung notwendig ist – und warnt auf einer Autobahn früher als im Stadtverkehr.

Überdies kann EVAM auch genutzt werden, um nicht nur bereits jetzt knapp zwei Drittel aller Verfahrensbeteiligten vor Einsatzfahrzeugen zu warnen, sondern auch, um jeden Fahrer noch vor einem Rettungseinsatz frühzeitig auf Unfälle entlang der Fahrstrecke hinzuweisen und so Ersthilfe zu erleichtern. „Das System erfüllt drei Funktionen: Es verbessert die Zugänglichkeit für Ersthelfer, macht den Verkehr sicherer und sorgt für eine sicherere Arbeitsumgebung für Rettungskräfte und andere Berufe in gefährdeten Umgebungen“, so Emeberg.

Quelle: kth.se