Kürzlich entdeckte man auf einem Parkplatz die skelettierte Leiche eines jungen Mannes in seinem Wagen. In den Händen hielt er einen Abschiedsbrief, der den Ermittlern in Verbindung mit dem Videomaterial der Dashcam ein umfassendes Bild über die Umstände des Todes besagter Person lieferte. Derzeit wird geprüft, ob gegen die Fahrerin des im Video zu sehenden blauen Toyotas eine Ermittlung wegen Beihilfe zum Mord eingeleitet werden muss. Der Inhalt des Briefes liest sich wie folgt:

Hallo Mutter! Ich schreibe dir auf diesem Wege, weil ich nicht weiß, wann und ob wir uns wiedersehen werden. Es ist der 23. April 2015, vielleicht mein letzter Tag auf Erden und ich wünschte mit derzeit nichts sehnlicher als wieder mit dir am Tisch zu sitzen und bei meinen dilettantischen Versuchen, deinen wie immer fantastisch zubereiteten Truthahn zu tranchieren, an die gute alte Zeit mit Dad zu denken.

Der Gedanke daran, dass du nun auch mich verlieren wirst, macht mich unendlich traurig. Doch ich finde, du solltest zumindest wissen, was mir widerfahren ist, nachdem das Schicksal deines Mannes, meines Vaters, schon im Ungewissen liegt.

Ich weiß, du hast Maggie noch nie gemocht. Sie wisse mich nicht zu würdigen, hast du immer geschimpft, mäkele ständig nur an mir rum. Doch ich habe sie geliebt – Gott was rede ich hier: Ich liebe sie! Gib ihr also bitte nicht die Schuld an dem was geschehen ist, nur weil Maggie mich ausgerechnet heute zum Frisör gescheucht hat. Du weißt, Stevie Pete’s, der Laden wo ich mir die Haare schon schneiden lasse, seit ich ein Kind war. Wer hätte gedacht, dass ich ausgerechnet hier sterben werde.

Und nun sitze ich hier am Steuer meines heißgeliebten Wagens, in einem rollenden Sarg, den ich erst gestern frisch gewachst habe, und denke an all die schönen Stunden an der Seite meiner Lieben zurück, während ich verzweifelt dabei zusehen muss, wie diese Frau vor mir einzuparken versucht.

Du weißt, ich habe meinen Stolz! Bevor ich hier also den Hungertod erleide, werde ich mir selber das Leben nehmen! Und deshalb will ich, dass du weißt, dass ich ein glückliches Leben hatte! Mom, es lag nicht an dir!

Bitte, sei gut zu Maggie und sag ihr, dass ich …"

Der Rest des Briefes war aufgrund der von Nässe verschwommenen Schrift leider nicht mehr zu entziffern. Das Labor bestätigte, dass es sich dabei um Tränen des Opfers gehandelt haben muss.