Da kann die Bundesregierung noch so sehr mit Scheinen aus dem Topf für den sogenannten Umweltbonus winken: Solange es kein gut ausgebautes Netz an Ladestationen gibt, wird die Skepsis gegenüber der E-Mobilität bleiben. Von den insgesamt 600 Millionen Euro an Bundesmitteln sind bislang gerade mal 134 Millionen Euro als staatliche Prämie ausgezahlt worden, welche die Verkäufe von Elektrofahrzeugen mit immerhin bis zu 4000 Euro Bonus ankurbeln soll.

Wen wundert’s, wenn man bedenkt, dass das Ladesäulen-Netz in Deutschland vielerorts noch äußerst löchrig und weit davon entfernt ist, flächendeckend genannt zu werden. Ein Umstand, den der Discounter Lidl nicht gutheißen will und deshalb der Bundesregierung nun ordentlich unter die Arme greift. Einer muss es ja machen!

„Um die Mobilitätswende in Deutschland voranzubringen, müssen wir den Menschen die Sorge vor einer begrenzten Reichweite nehmen. Daher ist der flächendeckende Ausbau unserer Ladeinfrastruktur ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Elektrofahrzeugen und eine Investition in die Mobilität von morgen“, bringt es Wolf Tiedemann auf den Punkt, seines Zeichens Geschäftsleiter Zentrale Dienste bei Lidl Deutschland.

Dort plant man, bis März 2020 bundesweit rund 400 Ladesäulen auf seinen Parkplätzen aufzustellen. 30 Ladesäulen stehen bereits, 20 seien derzeit im Bau und jede neu errichtete Filiale wird ab sofort mit Ladesäulen ausgestattet. Darüber hinaus wird Lidl ab sofort an zusätzlichen Filialen in Autobahnnähe sowie in ländlichen Regionen weitere Ladestationen errichten.

So geht Netzabdeckung

„Mit diesem Schritt erreichen wir, unser Ladenetz in Deutschland so zu verdichten, dass die maximale Fahrtstrecke zwischen zwei Lidl-Ladesäulen 50 Kilometer beträgt. Durchschnittlich werden es sogar unter 20 Kilometer sein“, sagt Tiedemann.

Zwar ist das geplante Netz nur für Lidl-Kunden gedacht und insofern alles andere als uneigennützig, aber immerhin ein Schritt voran. Von dem Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf deutsche Straßen zu bringen, hat sich die Bundesregierung jedenfalls bereits verabschiedet. Reine Elektro-Fahrzeuge brachten es in Sachen Neuzulassung 2018 zwar auf ein Plus von fast 44 Prozent, allerdings sind das immer noch gerade mal 36.000. Bei insgesamt 3,44 Millionen Neuwagen, wohlgemerkt.

Angeblich erwägt die Bundesregierung nun, die staatliche Prämie für den Kauf von E-Autos über den Sommer hinaus zu verlängern. Allerdings ist diese Idee umstritten. So betonte der FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer kürzlich, dass „Subventionsgeschenke[...] für Autohersteller“ keine Lösung seien.

„Die Bundesregierung verteilt weiter das Geld der Steuerzahler mit der Gießkanne. Besser wäre, wenn sie sich auf die Kernaufgaben des Staates konzentriert – insbesondere die Infrastruktur.“

Quelle: nordkurier.de