Digitaler Führerschein: App kaputt, Beschwerden häufen sich – Eigentlich sollte die Einführung des digitalen Führerscheins eine erhebliche Erleichterung für alle sein. Schließlich solle die Fahrerlaubnis via App „ID Wallet“ nicht nur Polizeikontrollen effektiver machen, sondern zum Beispiel auch Video-Überprüfungen des Führerscheins wie beim Car-Sharing oder für Autovermietungen.

Doch nur ein paar Tage nach der Veröffentlichung des digitalen Führerscheins ist die Euphorie darüber schon wieder dahin. Denn die dafür benötigte App „ID Wallet“ funktioniert nicht mehr. Gebaut hatte die App die Firma Digital-Enabling GmbH aus Langen in Hessen.

Anwendung aus den App Stores entfernt

Im Detail sollten Nutzer, die einen E-Personalausweis besitzen, eine Anfrage beim Kraftfahrtbundesamt stellen, um so eine digitale Version ihres Führerscheins zu erhalten, die dann in der App gespeichert werden würde. Dies funktionierte allerdings nur bei wenigen Nutzern, weshalb sich die Beschwerden über die App „ID Wallet“ in den sozialen Medien häuften.

Das hat dazu geführt, dass die App mittlerweile sogar komplett aus den App Stores verschwunden ist. Auf der Seite der Bundesregierung gab es nun ein Statement diesbezüglich: „Nach dem Go-Live des digitalen Führerscheinnachweises am 23. September gab es ein ausgesprochen großes Interesse. Durch die sehr hohe Nachfrage nach der ID Wallet-App allgemein und die damit verbundene hohe Last auf dem System haben sich unerwartete Lastspitzen ergeben, die temporär die Nutzung der ID Wallet-App beeinträchtigt haben.

Außerdem hat der Start der App viel Aufmerksamkeit von Nutzerinnen und Nutzern erhalten, die sich intensiv mit Sicherheits- und Vertrauensfragen befassen. Dafür ist die Bundesregierung dankbar. Sie geht mit Blick auf den nächsten Release all diesen Hinweisen nach. Um das System auf höhere Nutzlasten auszulegen und den Sicherheitshinweisen nachzugehen, werden in den nächsten Wochen umfangreiche weitere Tests durchgeführt. In dieser Zeit wird die App aus den Stores genommen.“

Weiter heißt es, dass man nach weiteren Tests in ein paar Wochen die App in einer neuen Version wieder veröffentlichen will. Für IT-Sicherheitsexperte Manuel Atug steckt dahinter sehr wahrscheinlich aber ein Sicherheitsproblem, statt der besagten unerwarteten Lastspitzen.

Fehlende gesetzliche Grundlage

Gegenüber „sueddeutsche.de“ bemängelt Atug, dass man sich bei der App auf die Nutzerfreundlichkeit fokussiert habe, anstatt vorrangig auf die Sicherheit. So baue der digitale Personalausweis auf Hardware auf, der digitale Führerschein allerdings auf Software. Und genau da liegt für Atug das große Sicherheitsproblem, was die App eben von Beginn an unsicher mache.

Ein weiteres Problem liegt übrigens in der gesetzlichen Grundlage des digitalen Führerscheins. Denn so lange dieser nicht von der EU anerkannt wird, ist er selbst bei funktionierender App leider nutzlos.

Quelle: sueddeutsche.de