Neue Pick-up Trucks sind schon scharf. Aber gerade die etwas älteren Vertreter bringen oft noch ein fettes Coolness-Plus mit. Doch wie wird man hierzulande zum Besitzer?

Wer regelmäßig auf MANN.TV verbeischaut, der weiß, dass es in der Redaktion und der Leserschaft ein großes Herz für noch größere Pick-ups gibt. Sind wir ehrlich: Schaut man sich ein Biest wie den neuen Chevy Silverado an, gehen nicht nur ausgesprochenen Fans von Ami-Fahrzeugen die Herzen auf. Aber: Die neuen Trucks sind, erst recht, wenn man sie importieren muss, ziemlich teuer. Wir sprechen hier von spielend leicht 40.000 plus X Euros. Und dann wäre ja auch noch diese Nebensächlichkeit namens Steuern – für einen 6,6 Liter Diesel-V8 wie in dem genannten Chevy zahlt man einfach, selbst wenn er brandneu ist und vergleichsweise schadstoffarm, enorme Summen pro Jahr an den Fiskus. 

Das bringt uns zu etwas älteren Trucks. Die sind nicht minder groß, praktisch, cool. Aber sie sind doch um einiges preisgünstiger zu unterhalten und vor allem auch in vergleichsweise üppigen Mengen in Deutschland oder zumindest Europa zu finden. Aus dem Grund haben wir mit dem folgenden Artikel auch einen Kaufberater zusammengestellt. 

Von wie alt sprechen wir hier?

Konkret von Fahrzeugen, die vor mindestens 30 Jahren erstmalig zugelassen wurden. Bedeutet, aktuell also spätestens im September 1989.

Der Grund? Alle Fahrzeuge, auch die größten Pick-ups, die dieses Alter erreicht haben, können nach entsprechender Prüfung in Deutschland das legendäre H-Kennzeichen bekommen. Legendär deshalb, weil es vollkommen ungeachtet von Hubraum und Schadstoffausstoß die Steuer auf 192 Euro im Jahr festlegt – fix. 

Damit kommt selbst der dickste V8 auf einen Steuerpreis, auf den auch ein brandneuer Diesel-SUV kommt. Einzige Bedingung: Der Truck muss in einem halbwegs ordentlichen Zustand sein und etwaige Umbauten müssen zeitgenössisch sein. Klingt nach Einschränkung, ist es aber in der Realität und mit einem wohlgesonnenen Prüfer keineswegs. Und pflegen wird man einen solchen Schatz ja sowieso.

Tipp: Sollte der Truck, wenn er erworben wird, noch kein H-Kennzeichen haben, sollte man sich in deutschen Ami-Auto-Foren umsehen und nachfragen, zu welcher Prüfstation man genau fahren soll. Da gibt es nämlich strengere und solche, die verbraucherfreundlichere Maßstäbe fürs H-Kennzeichen anlegen. 

Hat das sonst noch Vorteile?

Allerdings. Es fängt beim größten an: Diese alten Trucks sind technisch um Längen simpler als ihre heutigen Nachfolger. Mit einem wirklich neuen Pick-up wird man hier in Deutschland so manche Schwierigkeit haben, eine passende Werkstatt zu finden. Bei den Oldschool-Trucks hingegen können die allermeisten Oldie-Mechaniker weiterhelfen. Außerdem ist die Teilesuche einfacher, weil es hier und in den USA einen wahrhaft gigantischen Markt für Truck-Teile gibt. 

Ferner:

  • Die Trucks sind zwar immer noch „US-sized“, aber nicht ganz so massig wie neuere Stücke. Man kann sie ein bisschen besser durch den deutschen Verkehr bugsieren. 
  • „Klare Kante“: Der Look war früher auch bei Pick-ups noch ein völlig anderer. Das gibt einen mächtigen Coolness-Bonus und besänftigt sogar so manche Kritiker.
  • Früher waren Trucks auch in den USA noch keine Lifestyle-Fahrzeuge, sondern echte Arbeitstiere. Alles daran ist überstabil gefertigt. 
  • Kindheitshelden-Faktor: Zwischen Simon & Simon, Colt Seavers und Co. spielten just die Trucks eine Hauptrolle, die heute zu den Oldies gehören. 

Überzeugt? Perfekt, dann kommen wir jetzt zu den harten Fakten. Und die beginnen mit:

Was kann der Spaß denn kosten?

Nun, wir sprechen hier über einen Nischenmarkt innerhalb eines Nischenmarktes. US-Pick-ups innerhalb der Oldtimerszene. 

Summa summarum kann man damit rechnen, im Maximalfall 20.000 Euro ausgeben zu müssen. Starke Ausschläge nach oben gibt’s praktisch nur bei Trucks aus den 1950ern, weil davon nie so viele gefertigt wurden (und noch vorhanden sind) wie von den gerade mal 20 Jahre jüngeren Generationen. 

Für 20.000 Euro bekommt man allerdings auch einen schlüsselfertigen, absolut mackenfreien Truck, den man nur noch zur Zulassungsstelle bringen muss. Selbst für die Hälfte gibt es genügend Fahrzeuge in grundsolidem Zustand ohne drängenden Sanierungsbedarf. 

Derartige Summen bekommt man i.d.R. problemlos von der Bank. Tatsächlich könnte man die Sache über einen entsprechenden Kredit sogar ohne Mitwissen von Ehefrau und Schufa bekommen, falls man das möchte – es soll ja Partnerinnen geben, die nicht wirklich Verständnis dafür aufbringen, wenn man sich ein 30 Jahre altes, knapp 3 Tonnen schweres und mit 300 PS versehenes Fahrzeug kaufen will. 

Wonach sollte man sich umsehen?

US-Trucks gibt es wie Sand am Meer, sowohl in schierer Anzahl wie Modellvielfalt. Für maximale Coolness, Verfügbarkeit in Deutschland und unter Beachtung der 30-Jahres-Regel empfehlen wir, sich folgende Modelle zuerst anzuschauen: 

1. Dodge W200 M880 CUCV (1976-1977)

CUCV – Commercial Utility Cargo Vehicle. Unter dem Kürzel beschaffte die US-Armee Mitte der 70er erstmals zivile Pick-ups und rüstete sie auf sanfte Weise militärisch um. Das erste Ergebnis dieser Liaison war der M880, ein Dodge W200 aus den Baujahren 1976 und -77.

Sieht mächtig cool aus, ist in Europa gut erhältlich. Einziger Nachteil: Er hat einen Benzinmotor mit „nur“ 318 Cubic Inch / 5,2 Liter Hubraum, 150PS & 311NM, den Dodge damals aus seinem PKW-Programm entnahm. Der ist nach einhelliger Meinung sowohl in Leistung wie Drehmoment etwas schwachbrüstig für diesen Truck und vor allem selbst für US-Verhältnisse mächtig durstig.

2. Ford F-Series 7. und 8. Generation mit IDI Diesel (1983-1991)

Fords F-Serie ist der meistverkaufte Pick-up der Welt. Für diesen Punkt fokussieren wir uns auf die siebte und achte Generation der Trucks. Denn: Die wurden erstmalig in der zivilen Pick-up-Welt mit Dieselmotoren angeboten; konkret bei den F-250 und -350-Varianten. 

Was sie (neben dem coolen Look) so besonders macht: Der Motor. Ein von International Harvester zugekaufter Diesel-V8. Zwischen 1983 und -87 kam der mit 6,9 Liter, 170PS & 427NM. Später wurde er auf 7,3 Liter, 185PS & 458NM hochgepuscht – kein Turbo, den gabs nur im letzten Produktionsjahr 1994. 

Das mögen im Vergleich zu den heutigen Diesel-Monstern keine Top-Werte sein. Aber unter Kennern gilt besonders der 7.3 IDI als einer der besten Diesel, die Ford jemals hatte. Alles mechanisch, keine Elektronik und komplett aus Eisen. Nicht wenige Trucks mit dieser Maschine erlebten die 1 Million Meilen. Einziger Nachteil: Vergleichsweise selten in Europa und eine recht raue Laufkultur. 

3. Chevrolet K30 M1008 CUCV (1983-1986)

Dass die US-Army während des kalten Krieges hierzulande so präsent war, hat tiefe Spuren hinterlassen, auch auf dem Fahrzeugmarkt. Nachdem die Amis nämlich festgestellt hatten, dass die CUCV-Idee zwar gut, der Dodge M880 wegen des schwachen Benziners aber für militärische Aufgaben bescheiden war (Diesel ist NATO-Standard, die Amerikaner mussten nur für die Dodges Benzin bevorraten), musste was Neues her. 

Das fand man in der dritten Generation von Chevrolets Truck-Baureihe, die von 1973 bis 1991 durchgehend gefertigt wurde. Zwischen 1983 und -86 beschaffte man die Schwerlast-Variante Chevy K30 (das K steht für Allradantrieb, C wäre Heckantrieb). In dem steckt ein 6,2 Liter Detroit Diesel, ebenfalls ohne Turbo. Der leistet zwar selbst mit für die Army-Bestellung implementierten Verbesserungen auch nur 165PS, hatte aber dank 447NM gewaltig mehr „Wumms“ als der Dodge. Und weil die ganze Baureihe so extrem lang gefertigt wurde, gibt es selbst Blechteile in Hülle und Fülle. 

Wichtig für Interessenten: Das dürfte der zahlreichste der Alt-Pick-ups hierzulande sein. Allerdings sind die Preise auch mittlerweile an der 20.000-Schallmauer für gute Exemplare angelangt, nachdem der M1008 vor allem in den 90ern hierzulande regelrecht verschleudert wurde.

Ford F-Series 6. Generation (1973-1979)

Bis in die frühen 70er lieferten sich Ford, Chevrolet und Dodge ein Kopf-an-Kopf Rennen um die Pick-up-Krone Amerikas. Doch als Ford 1973 seine sechste F-Generation lancierte, war das Rennen entschieden. Zwar unterschied sich die in der Szene „Dentside“ genannte Generation optisch nur wenig von der fünften namens „Bumpside“. Doch spendierte Ford dem Truck eine Menge veredeltes Blech für hohen Rostschutz.

In den USA sind besonders die letzten beiden Baujahre beliebt, weil diese eine modernere Front hatten und so das 70er-Jahre-Karosseriestyling mit einem 80s-Gesicht kombinieren. Generell hat man hier aber alle Freiheiten, kann sich zwischen F-100, F-150 (ab 1975), F-250 und F350 entscheiden.

Tipp: Nach dem 385er Motor suchen. Der liefert 7,5 Liter, 260PS & 495NM. Außerdem wurde er von 1968 bis 1998 gebaut und hat eine dementsprechend traumhafte Ersatzteilversorgung.