Schon mal gewundert, warum euer Wagen einen anderen Kraftstoffverbrauch hat, als euch Freund Bordcomputer oder euer eigenes, untrügliches Gefühl beim Fahren vermitteln? Einen Verbrauch, der irgendwie immer weitaus höher zu liegen scheint? Tja, das könnte vor allem daran liegen: Eine neue Studie belegt, dass eine immer größer werdende Kluft sich auftut. Eine Kluft zwischen dem Verbrauch, den die Automobilindustrie unter Laborbedingungen angibt, und dem, was unsere Kfz im Straßenverkehr wirklich schlucken.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) beschwichtigt und verweist für die in der Studie ermittelten Diskrepanzen prompt auf diesen Gegensatz: Der echte Einsatz eines Fahrzeugs sei eben kein Test unter Laborbedingungen – und dadurch könne der tatsächliche Verbrauch nicht nur höher, sondern durchaus auch unter den Angaben liegen.  

Aber wie schwer wiegt dieser Unterschied denn nun? Laut der Analyse lag er vor zehn Jahren noch bei etwa 8 %. Aktuell hingegen fällt die Differenz erheblich höher aus: Ein ganzes Drittel (31 %) liegt der tatsächliche Verbrauch oftmals über den Angaben. Das sind satte 450 Euro(!!) mehr, die der Autofahrer im Jahr für Kraftstoff berappt, als eigentlich kalkuliert.

Der Herausgeber der Studie, das International Council of Clean Transportation (ICCT), hat für seine Untersuchung mehr als eine halbe Million Kraftfahrzeuge unter die Lupe genommen. Der Autor der Studie, Peter Mock, kommentierte: „Sämtliche uns vorliegende Datenquellen bestätigen, dass die Lücke zwischen dem von Herstellern veröffentlichten Kraftstoffverbrauch und dem tatsächlich vom Kunden festgestellten Verbrauch seit Jahren zunimmt.“

Dabei sind neben den Problemen für unser Geldsäckel die Auswirkungen, die dieser Mehrverbrauch auf CO2-Grenzewerte und -emissionen hat, möglicherweise noch gravierende. Ganz zu schweigend davon, was den EU-Ländern dabei steuerlich entgeht, weil Fahrzeuge oft nach dem Co2-Ausstoß eingestuft werden.

Die Studie unterstreicht die Wichtigkeit eines neuen Tests, der WLPT, die für realistischere Ergebnisse sorgen soll und frühestens 2017 in der EU zum Einsatz kommen wird.      
        

Quelle: Süddeutsche