Noch herrscht große Skepsis gegenüber dem autonomen Fahren, doch in absehbarer Zeit, wird diese Methode der Fortbewegung zum Alltag gehören. Um den Weg zu bereiten, müssen jedoch nicht nur technische, sondern vor allem auch behördliche Hürden genommen werden. Bosch und Daimler sind diesbezüglich nun einen großen Schritt vorangekommen. Die Verkehrsbehörde erteilte die offizielle Zulassung für ein Pilotprojekt, das bereits seit zwei Jahren vorbereitet wird und vorsieht, dass Autos erstmals ohne menschliche Überwachung in einem Parkhaus ein- und ausparken.

Das erste vollautomatisierte fahrerlose Parksystem weltweit wird derzeit in Stuttgart getestet und dürfte zukünftig insbesondere Flughäfen oder Einkaufszentren ganz neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Dafür sind aktuell fünf speziell ausgerüstete Fahrzeuge von Daimler im Einsatz. Autozulieferer Bosch wiederum zeichnet für die Sensor- und Kameratechnik des Parkhauses verantwortlich, die das Ziel vorgibt, Hindernisse wie andere Autos und Fußgänger erkennt und das Fahrzeug über dessen Fahrerassistenzsystem entsprechend beschleunigt, lenkt und bremst.

Zwar war es auch vorher schon möglich, entsprechend ausgestattete Fahrzeuge computergesteuert durch ein Parkhaus zu bewegen und selbstständig ein- und ausparken zu lassen, allerdings musste bislang stets ein Mensch anwesend sein, um den Vorgang zu überwachen und notfalls eingreifen zu können. Dies ist mit dem neuen System nicht mehr notwendig, bei dem genaugenommen das smarte Parkhaus den Wagen von der Parkhaus-Einfahrt über verschiedene Etagen auf den Parkplatz und wieder zurück navigiert. Aus Sicherheitsgründen in Schrittgeschwindigkeit von maximal sechs Stundenkilometern.

Mit Privatautos funktioniert dies noch nicht, aber die Serienreife des Systems ist in Arbeit. Problematisch sei dabei jedoch die Standardisierung der Technik. Immerhin arbeitet die Konkurrenz ebenfalls an eigenen fahrerlosen Parksystemen, und einen einheitlichen regulatorischen Rahmen seitens des Gesetzgebers gibt es bislang noch nicht.

Dennoch ist man im Hause Daimler und Bosch stolz auf den erreichenden Meilenstein. „Die Freigabe der Behörden in Baden-Württemberg hat Vorbildcharakter, um den Parkservice künftig auch weltweit in Parkhäusern zuzulassen“, erklärt Michael Hafner, Leiter für den Bereich Fahrtechnologien und Automatisiertes Fahren bei Daimler. Marktpotential für das "Automated Valet Parking" sieht man vor allem in Parkhäusern von Flughäfen oder Einkaufszentren. Gegen Aufpreis könnten sich die Kunden die lästige Parkplatzsuche ersparen und sogar Zusatzangebote wie eine Autowäsche nutzen.

Quelle: sueddeutsche.de