Eine Warnung an alle Autofahrer: Millionen Autos sind offenbar von einer gravierenden Sicherheitslücke betroffen. Forscher aus Deutschland und Großbritannien haben bei der Untersuchung von Funkfernbedienungen beliebter Marken erhebliche Probleme bei der Verschlüsselung aufgedeckt. Und das bedeutet, dass diese von Dieben ohne größeren Aufwand kopiert werden können, um den Wagen damit zu öffnen und auch wieder zu schließen.

Nach Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung ist es den Wissenschaftlern bei ihrem Test gelungen, die Funktion, mit der Fahrzeuge per Funk aus der Ferne verschlossen und wieder geöffnet werden können, bei Modellen von 15 Herstellern zu überwinden. Anhand dessen schätzen die Experten, dass weltweit rund 100 Millionen Fahrzeuge von der Sicherheitslücke betroffen sind.

Besonders problematisch: Modelle von Volkswagen, den Töchtern Audi, Seat und Škoda. Deren Verschlüsselung ließ sich von den Forschern beliebig knacken und reproduzieren. Nahezu alle VW-Modelle ab dem Baujahr 1995 seien betroffen.

Laut der Süddeutschen Zeitung verweist man bei VW auf die aktuelle Fahrzeug-Generation, deren Sicherheitsniveau höher sei. Mehr als den Rat, sich ein neues Auto zu kaufen hat man dort für Besitzer älterer Modelle aber offensichtlich nicht übrig. Zudem glaubt VW, dass die wissenschaftlichen Tests nicht die kriminelle Realität widerspiegeln, die Methoden also nicht praktisch in der Anwendung für Gauner seien.

Nun ja, wenn man bedenkt, dass die zum Knacken notwendige Technik gerade mal 100 Euro kostet, in jeden Rucksack passt und lediglich ein wenig Geduld auf einem Parkplatz oder an einer Tiefgarage erfordert, um einen Funkbefehl zum Türenöffnen aufzufangen, zu entschlüsseln und dann zu kopieren, zeichnet sich ein ganz anderes Bild. Der einzige Schutz davor sei, ganz klassisch einen Schlüssel zu verwenden.

Mutmaßlich sind folgende Modelle der Volkswagen AG, jeweils ab dem Baujahr 1995,  betroffen:
Audi: A1, Q3, S3, TT, R8 VW: Amarok, Beetle, Bora, Caddy, Crafter, Eos, Fox, Golf 4, Golf 5, Golf 6, Golf Plus, Jetta, Lupo, Passat, Polo, Transporter T4, Transporter T5, Scirocco, Sharan, Tiguan, Touran, Up/e-Up Seat: Alhambra, Altea, Arosa, Cordoba, Ibiza, Leon, MII, Toledo Skoda: City Go, Roomster, Fabia 1, Fabia 2, Octavia, SuperB, Yeti

Diese Wagen sind deshalb so leicht zu knacken, da der Konzern seinerzeit nicht jedes Fahrzeug mit einem individuellen Code versehen, sondern bloß einen Schwung Master-Passwörter für Millionen Funkfernbedienungen verwendet hat. Doch auch das Knacken des sogenannten „Hitag2-Systems“, welches bei anderen Herstellern zur Anwendung kam, ließ sich technisch nach einigen Hürden realisieren.

Dies betrifft die Modelle:
Fiat: Punto (Typ 188), 500, Abarth 500, Bravo, Doblo, Ducato, Fiorino, Grande Punto, Panda, Punto Evo, Qubo Alfa Romeo: Guilietta (Typ 940) Lancia: Delta (Typ 844), Musa Mitsubishi: Colt (Z30) Citroen: Nemo, Jumper Opel: Astra (Modell H), Corsa (Modell D), Vectra (Modell C), Combo, Meriva, Zafira Ford: Ka (RU8) Dacia: Logan II, Duster Renault: Clio, Modus, Trafic, Twingo, Master Nissan: Micra, Pathfinder, Navara, Note, Qashqai, X-Trail Peugeot: Boxer, Expert, 207

/ sueddeutsche.de

Quelle: focus.de