Vor kurzem stellte Audi im Rahmen einer aufwändigen Veranstaltung in San Francisco den brandneuen e-tron vor, den ersten Serien-Elektrowagen des Autobauers aus Ingolstadt. Damit ist die Frontlinie im Kampf um den rasant an Bedeutung gewinnenden Markt der Elektro-Mobilität um eine Partei reicher. Ein längst überfälliger Schritt, wie manche meinen, und eine direkte Kampfansage in Richtung Mercedes EQC und Teslas Modell X.

Auf den ersten Blick bietet der e-tron nicht viel Neues, doch das ist so gewollt. Wie Interim-Chef Bram Schot betont, wollen die Kunden ein Auto „mit einem Bein in der Gegenwart und einem in der Zukunft“. Von daher bilden bekannte Komponenten die Basis des neuen Luxus-SUV, welcher sich damit nahtlos in das bestehende Audi-Line-up einfügt. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man es auch mit einem typischen Verbrenner-Modell zu tun haben.

Während der offensive Kühlergrill nunmehr lediglich dem Wiedererkennungswert dient, sind die vergleichsweise tiefere Gürtellinie und die kräftigen Schweller den im Boden verbauten Akkus geschuldet, bestehend aus 36 einzelnen Zellen. Nach 30 Minuten Ladezeit soll der selbstentwickelte Stromspeicher bereits wieder zu 80 Prozent voll sein, vorausgesetzt man „tankt“ bei höchster Ladegeschwindigkeit von 150 Kilowatt. Man kann also davon ausgehen, dass der heimische Ladevorgang deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt.

„Wir sind Tesla dankbar für das, was sie für den Markt getan haben. Aber jetzt werden wir sie angreifen.“

Der e-tron kommt mit einem Allradantrieb daher, bei dem die Motoren im Gegensatz zu den Benzinmodellen direkt an den Achsen sitzen. Ebenfalls mit an Bord ist ein innovatives  Energierückgewinnungssystem in der Bremsanlage, welches die Fahrzeugreichweite um maximal 30 Prozent erhöhen kann. Jene liegt bei bis zu 400 Kilometern, während die beiden Motoren mit einer konstanten Systemleistung von 100 Kilowatt eine Geschwindigkeit von bis zu 200 Kilometer pro Stunde erlauben.

Aus Sicherheitsaspekten wird auf Spielereien wie die versenkbaren Türgriffe des Modell X von Tesla verzichtet. Dafür möchte man sich mit digitalen Kameras von der Konkurrenz abheben, welche die Rückspiegel ersetzen, indem sie ihre Bilder auf kleinen Bildschirmen in der Türinnenverkleidung anzeigen. Zumindest, wenn man bereit ist, 1.500 Euro in die Sonderausstattung zu investieren und in Europa lebt. Die Zulassung in den USA und China steht nämlich noch aus.

Die Produktion ist jedenfalls schon angelaufen. Vorbestellungen für den 5-Sitzer werden ab Herbst angenommen, die Auslieferung in Europa soll Ende 2018, spätestens im ersten Quartal 2019 erfolgen. Einstiegspreis: etwas unter 80.000 Euro.

Quelle: handelsblatt.com