Elektromobilität. Nicht erst seit der Forderung der Grünen, ab 2030 Neuwagen mit Verbrennungsmotor nicht mehr für den deutschen Straßenverkehr zuzulassen, ist das Thema in aller Munde. Das Münchner Ifo-Institut ist im Auftrag der deutschen Autoindustrie der Frage nachgegangen, welche Konsequenzen die Umstellung auf Elektrofahrzeuge auf das Klima und die Arbeitsplätze hätte. Die Forscher verkünden: Mindestens 620.000 Jobs wären durch ein Verbot in Gefahr.

457.000 Menschen stellen in der deutschen Automobil-Industrie Komponenten her, die ausschließlich für herkömmliche Motoren verwendet werden, etwa zur Abgasreinigung. Weitere 163.000 Arbeitsplätze sind indirekt an den Verbrennungsmotor gekoppelt: Etwa die Fertigung von Schaltgetrieben oder die Kraftstoffproduktion – beides wäre bei Elektrofahrzeugen praktisch überflüssig. Durch den Gesetzesentwurf der Grünen wären rund zehn Prozent aller deutschen Industriejobs betroffen. 130.000 der Stellen sind laut den Ifo-Forschern insbesondere in Gefahr, weil diese zu kleinen und mittleren Betrieben gehören.

Diesen würde es „im Vergleich zu Großunternehmen deutlich schwererfallen, parallel oder alternativ zur Produktion von Verbrenner-Komponenten auf Produkte und Geschäftsfelder für Elektrofahrzeuge umzustellen“, heißt es in der Studie. Auch innerhalb der Wertschöpfungskette drohen Verluste: Laut Untersuchung würde das Verbrenner-Verbot rund 13 Prozent der Bruttowertschöpfung der gesamten deutschen Industrie betreffen – circa 48 Milliarden Euro.

Halber CO2-Ausstoß vs. Höhere Stromkosten für alle

Mit einem kompletten Job-Wegfall rechnen die Forscher hingegen nicht, neben dem vom Verbot betroffenen PKW müssen Lastwagen und Busse gebaut werden. Diese soll das Grünen-Verbot nicht betreffen. Neue Jobs in der Elektroauto-Branche würden die Verluste zumindest dämpfen. Überdies soll das Klima immens profitieren. So ermittelten die Wissenschaftler, dass sich der CO2-Ausstoß mehr als halbieren würde. Auch andere Emissionen wie Kohlenstoffdioxid sowie giftige Stickoxide würden beträchtlich reduziert werden.

Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass diese Vorteile nur in der Fahrzeugnutzung, nicht jedoch in der Herstellung liegen. Diese sei „mehrheitlich mit Nachteilen verbunden, die sich vor allem durch einen höheren Energie- und Materialeinsatz in der Produktion und den Einsatz bestimmter Materialien in der Batterie ergeben.“ Die Akku-Produktion ist energieintensiv und verschlingt kostbare Ressourcen wie etwa seltene Erden oder Kobalt. Die dadurch entstehenden Engpässe ließen sich auch durch Recycling nicht beseitigen.

Zudem würde der gesamtdeutsche Stromverbrauch bis 2050 um 7,6 Prozent ansteigen. Diese Elektrizität müsste CO2-neutral hergestellt werden, um den Nutzwert der Elektrofahrzeuge nicht zu schmälern. Der Strom wurde um ein halbes Prozent teurer – auch für solche Deutschen, die gar kein Elektrofahrzeug besäßen.

Quelle: welt.de