Das nächste Kapitel im Buch der Abgas-Skandal. Nach dem Traditions-Autobauer Volkswagen steht nun auch Opel im Verdacht, Abgaswerte manipuliert zu haben. Laut dem ARD-Magazin 'Monitor' sowie 'Spiegel Online' soll dazu beim Diesel-Modell 'Opel Zafira' eine bislang unbekannte Abschalteinrichtung zum Einsatz gekommen sein.

Den Recherchen im Zuge eines gemeinsamen Tests mit der Deutschen Umwelthilfe zufolge arbeitete die Abgasreinigung in mehreren Testszenarien unzureichend. So zum Beispiel, wenn die Drehzahl des Motors 2400 Umdrehungen pro Minute überschritt, wenn das Auto auf mehr als 145 km/h beschleunigt wurde oder auch bei einem Umgebungsluftdruck von weniger als 915 Millibar.

Der Zafira sei zudem bereits vorher schon bei Tests des Bundesverkehrsministeriums in Zusammenarbeit mit dem Kraftfahrtbundesamt aufgefallen. Ohne hier zu sehr ins technische Detail gehen zu wollen, führte das dazu, dass sich Opel daraufhin bereiterklärte, die Fahrzeuge entsprechend nachzurüsten.

„Wenn der Hersteller die beabsichtigten Maßnahmen ergreift und das KBA sich von der Wirksamkeit überzeugt, würde der Verdacht auf eine unzulässige Verringerung der Wirkung des Emissionskontrollsystems aus Bauteilschutzgründen nicht weiter bestehen“, schrieb das KAB in seiner Auswertung.

Opel betonte in einem Statement:
„Der Bericht bestätigt, dass die getesteten Autos unseres Hauses keine Einrichtungen haben, die erkennen, ob ein Fahrzeug einem Abgas-Test unterzogen wird. (…) Das entspricht unseren Erwartungen. Wir haben stets gesagt, dass Opel keine Einrichtungen hat, die erkennen, ob ein Fahrzeug einem Abgastest unterzogen wird. Unsere Software war nie darauf ausgelegt, zu täuschen oder zu betrügen. Wir erfüllen die gültigen Abgas-Standards.“

Auf die neuen Vorwürfe reagiert der Autobauer auf Rüsselsheim nun ähnlich und moniert, dass man ihm die Methoden und -Protokolle der Testaktivitäten von DUH/Monitor/Spiegel Opel nicht zur Verfügung gestellt habe, so dass man deren Ergebnisse nicht bewerten könne.
„Aufgrund unserer eigenen sowie unabhängiger Messungen – und den bisherigen Erfahrungen mit den von der DUH veröffentlichten Experimenten – glauben wir nicht, dass diese neuerlichen Ergebnisse objektiv und wissenschaftlich fundiert sind.“

Die Deutsche Umwelthilfe dagegen macht sich bereits seit Januar 2016 stark, den Zafira mit dem 1.6 CDTi-Motor aus dem Verkehr zu ziehen.
„Das Fahrzeug erfüllt nicht die Voraussetzungen der europäischen Zulassungsrichtlinie 715/2007. Daher muss die Typgenehmigung widerrufen werden.“ Diese besagt, dass die Emissionen „während der gesamten normalen Lebensdauer eines Fahrzeugs bei normalen Betriebsbedingungen“ wirkungsvoll begrenzt werden müssen.

Pikant: Das ARD-Magazin ‘Monitor’ hatte bereits vor einigen Monaten berichtet, dass Opel in einer eigenen Prüfung deutlich überhöhte CO2-Werte bei einem Fahrzeug festgestellt habe. Dabei berief man sich auf ein Protokoll von drei Messungen, die gezeigt haben sollen, dass Verbrauch und CO2-Emissionen bei einem Opel Zafira Diesel im Durchschnitt um 15 Prozent über den offiziellen Angaben des Herstellers lagen. Opel hatte diesen Bericht seinerzeit zurückgewiesen.

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